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Stefan-Zweig-Ausstellung : Das Hauptbuch des Ruhms

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Stefan Zweig und seine zweite Frau Lotte Bild: dpa

Das einmalige Schaffen eines der bedeutendsten deutschsprachigen Literaten: Stefan Zweigs „Hauptbuch“ sollte als nützlicher Katalog seiner zahlreichen Werke dienen – und ist doch so vieles mehr.

          Irgendwann hatte er wohl endgültig den Überblick über seinen Erfolg verloren. Spätestens als seine Novelle „Angst“ 1929 auch noch ins Esperanto übersetzt worden war, entschied Stefan Zweig, eine neue Ordnung in seine Publikationsliste zu bringen. Zusammen mit seiner treuen Privatsekretärin Anna Meingast, die er gleich nach dem Einzug in seine herrschaftliche Villa auf dem Salzburger Kapuzinerberg eingestellt hatte, legte er ein individuelles Register an, in dem sorgfältig alles verzeichnet wurde, was an Bewegungen im Zusammenhang mit seinen Werken stattfand.

          „Hauptbuch“ nannte Zweig diese Aufstellung, in der auf vorgedruckten, großformatigen Doppelseiten die verkauften Rechte für jedes Werk und die dafür in Verträgen vereinbarten Konditionen mit Verlagen, Übersetzern und Filmstudios festgehalten wurden. Auch weitere, dem Autorenherz wichtige Informationen wie Auflagenhöhe, Honorarfälligkeit und Kritikenecho wurden hier vermerkt. Von Mitte der zwanziger Jahre an war Stefan Zweig Kunde von Adolf Schustermanns Zeitungsausschnittdienst in Berlin, der – als ein früher Vorfahre des „Perlentauchers“ – alle wichtigen Tages- und Wochenzeitungen nach Artikeln über seine Person und sein Werk durchsuchte und nach Salzburg schickte. Hier wurden sie dann von Frau Meingast sorgsam gesichtet und gegebenenfalls in das „Hauptbuch“ übertragen, das seinen etwas ungewöhnlichen Namen sicherlich in Anlehnung an das klassische „Haushaltsbuch“ erhalten hatte, in dem Einnahmen und Ausgaben des privaten Haushalts vermerkt wurden.

          Ein Zeugnis einer großen Schaffensperiode: Stefan Zweigs „Hauptbuch“

          Nach Zweigs Gang ins Exil 1937 verblieb das „Hauptbuch“ auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin bei der vertrauten Sekretärin. Nach Frau Meingasts Tod ging es in den Besitz ihres einzigen Sohnes über, der es schließlich dem Salzburger Literaturarchiv übergab, nachdem der Germanist und leidenschaftliche Autographensucher Adolf Haslinger im November 1981 die Bevölkerung öffentlich dazu aufgerufen hatte, Materialien zu Leben und Werk des berühmten Autors anzumelden.

          Jetzt ist das biographisch und literatursoziologisch aufschlussreiche Dokument im Rahmen einer soeben eröffneten Ausstellung mit kurzer Laufzeit im Literaturarchiv Salzburg zu sehen. Man sollte sich von der nüchternen Anmutung des Leistungsrekords auf keinen Fall abschrecken lassen: Denn was man hier sieht, ist in Wahrheit hochgradig aufgeladenes Auramaterial. Mit dem „Hauptbuch“ wurde Zweig sein enormer Erfolg als Schriftsteller überhaupt erst vor Augen geführt. Hier konnte er genau studieren, wo er überall für wie viel Geld gelesen wurde. Auf diesen großformatigen, engbeschriebenen Foliantenseiten ist sein Ruhm für immer festgeschrieben.

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