https://www.faz.net/-gr0-a4c1y

„Annette, ein Heldinnenepos“ : Deutscher Buchpreis 2020 für Anne Weber

  • Aktualisiert am

Anne Weber Bild: dpa

Die Jury findet „atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt“: Anne Weber erhält den Deutschen Buchpreis 2020. Ihr Buch „Annette, ein Heldinnenepos“ erzählt die Geschichte einer Widerstandskämpferin.

          1 Min.

          Der Deutsche Buchpreis 2020 geht an Anne Weber für ihren Roman „Annette, ein Heldinnenepos“. Das gab die Jury an diesem Montag in Frankfurt am Main bekannt. Die Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung im Frankfurter Römer fand wegen der Corona-Pandemie ohne Publikum statt.

          Die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhielten jeweils 2500 Euro: Bov Bjerg („Serpentinen“), Thomas Hettche („Herzfaden“), Deniz Ohde („Streulicht“), Dorothee Elmiger („Aus der Zuckerfabrik“) und Christine Wunnicke („Die Dame mit der bemalten Hand“). Insgesamt hatten die sieben Jurymitglieder 206 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2019 und September 2020 erschienen sind.

          Der Sieger-Titel aus dem Verlag Matthes & Seitz erzählt die Lebensgeschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir – in Versform. „Die Kraft von Anne Webers Erzählung kann sich mit der Kraft ihrer Heldin messen“, lautete die Begründung der Jury. Es sei „atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt“.

          Anne Weber (55) wurde in Offenbach bei Frankfurt geboren. Nach dem Abitur zog sie nach Frankreich, wo sie bis heute lebt. Sie arbeitete zunächst als Übersetzerin, seit dem Ende der neunziger Jahre veröffentlicht sie eigene Texte. Ihre Bücher verfasst sie mal auf Deutsch und mal auf Französisch und übersetzt sie dann selbst in die jeweils andere Sprache.

          Die reale Anne Beaumanoir wurde 1923 geboren – Anne Weber hat sie persönlich kennengelernt und war so beeindruckt, dass sie beschloss, über sie zu schreiben, wie die Autorin bei der Lesung der Shortlist-Autoren im Frankfurter Literaturhaus Ende September verriet. Sie war im französischen Widerstand aktiv, Mitglied der kommunistischen Partei und kämpfte für das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Algerien.

          Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vergeben. Im vergangenen Jahr hatte Saša Stanišić den Preis für seinen Roman „Herkunft“ erhalten. In seiner Dankesrede griff der aus Bosnien stammende Autor den Literaturnobelpreisträger Peter Handke für dessen Äußerungen über den Jugoslawienkrieg an und entfachte damit eine Literaturdebatte.

          Weitere Themen

          Gegen alte Widerstände

          HSV-Trainer Thioune : Gegen alte Widerstände

          Daniel Thioune musste früh im Leben lernen, sich durchzusetzen. Also erhebt er seine Stimme: gegen Rassismus und für den Glauben an sich selbst – auch als HSV-Trainer.

          Topmeldungen

          Moral und Demokratie : Wenn politische Lager zu Feindesland werden

          Die Krise würfelt beim Verhältnis von Wissenschaft, Moral und Demokratie einiges durcheinander. Die moralische Neucodierung politischer Konflikte macht es den Bürgern nicht leichter, sich als Retter der Demokratie ins Zeug zu legen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.