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Roman aus Paris : Die Sache mit der französischen Leichtigkeit

Anne Berest Bild: ddp Images

Anne Berest erklärte der Welt, wie Liebe und Stil à la française gehen. Sie schreibt für Chanel und fürs Fernsehen. Und in ihrem neuen Roman sucht sie die perfekte Frau. Eine Begegnung

          Als vor mittlerweile zwei Jahren jener Ratgeber erschien, der in Buchhandlungen und Modeläden eine Weile lang wirklich überall an der Kasse lag, in New York, in Paris, irgendwann auch in Berlin und bis heute in Hannover, „How to Be Parisian Wherever You Are - Liebe, Stil & Lässigkeit à la française“, wurde die französische Autorin Anne Berest weltberühmt. Sie hatte das Buch zusammen mit ihren Freundinnen Sophie Mas, Audrey Diwan und Caroline de Maigret geschrieben.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war ein extrem lustiges Buch, weil es sich selbst nicht ernst zu nehmen schien. Jeder Rat, den der Ratgeber erteilte, war genau so formuliert, dass in der Schwebe blieb, ob man sich vollkommen lächerlich machte, wenn man ihn befolgte, oder im Gegenteil alles richtig. Das fing gleich im ersten Kapitel an: „Lebensweisheiten - Zum Vorsagen vor dem allabendlichen Schlafengehen, selbst wenn man betrunken ist: Finde dein Parfum, bevor du dreißig bist. - Ob du redest oder lachst, niemand braucht zu wissen, wie dein Zahnfleisch aussieht. - Such dir etwas aus, was jeder mag, die Oper, Kätzchen, Erdbeeren, und verabscheue es. - Sei allzeit bereit: ob sonntags morgens beim Bäcker, beim Kippenkaufen, mitten in der Nacht oder wenn du die Kinder von der Schule abholst, man kann nie wissen.“

          Dass die vier Autorinnen dabei alle wahnsinnig hübsch aussahen, wie man auf vielen Fotos im Buch sehen sollte, suggerierte, dass sie selbst alles richtig machten. Zumindest äußerlich. Andererseits war, was Äußerlichkeiten bedeuteten, hier ja gerade die Frage.

          Ich mache alles Mögliche

          Jetzt erscheint ein neues Buch von Anne Berest, ohne ihre Freundinnen. Es sieht in der deutschen Ausgabe fast genauso aus wie der Ratgeber, ein weißes Cover, auf dem die schwarze Zeichnung einer jungen Frau zu sehen ist, diesmal mit Sonnenbrille, roten Lippen und Eiffelturmskizze im Hintergrund. „Von der Mitautorin des Bestsellers ,How to Be Parisian‘“, steht auf einem roten Aufkleber unterhalb des Titels: „Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau“, der den Eindruck erweckt, es handele sich um eine Fortsetzung, eine Art Anleitung, wie man zur perfekten Frau werden könne. In Wirklichkeit haben die Bücher, von der Autorin einmal abgesehen, so gut wie nichts miteinander zu tun. Das neue ist ein Roman und Anne Berest in Frankreich vor allem als Schriftstellerin bekannt. Ein Cover wie dieses macht es einem nicht unbedingt leichter, sie als solche auch in Deutschland endlich zu etablieren.

          Aber sie kennt das schon. Mit beeindruckend umschatteten Augen sitzt Anne Berest am Tisch in ihrer Wohnung in der Rue de Rennes. „Ich mache alles Mögliche auf einmal. Ich habe an diesem Ratgeber mitgearbeitet, schreibe Texte für Chanel, eine Fernsehserie - da kann ich unmöglich eine ernst zu nehmende Intellektuelle oder eine echte Schriftstellerin sein“, sagt sie. „Hier in Frankreich jedenfalls ist man nicht offen dafür. Aber umso besser! Haben Künstler nicht schon immer Sachen gemacht, die in der Gesellschaft nicht gut angesehen sind? Ich finde es am Ende interessanter, mit diesem Paradox zu leben, anstatt als ,echte Schriftstellerin‘ gefeiert zu werden.“

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