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Amerika trauert um Updike : Alles in allem, ein Held

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Ein literarischer Mischkonzern: John Updike Bild: dpa

Amerika ist nach John Updikes Tod uneins, wie es ihn preisen soll. Womit es ihn nicht inbrünstiger preisen könnte. „Newsweek“ bringt es auf den Punkt: Das Wundervollste an Updike sei gewesen, dass es für jeden, der gern las, einen Updike gab.

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          Was war seine wahre Stärke? Der Roman? Die Kurzgeschichte? Oder doch die Fülle all der essayistischen Formen, die dieser ungeheuerlich produktive Schriftsteller immer wieder dazwischenschaltete, sei es als Literatur-, Film- oder Kunstkritiken, als Vorworte, Nachworte, Reden oder Reisenotizen, als Betrachtungen übers Golfspiel oder den Baseball oder über sich selbst? Von seiner Lyrik gar nicht erst zu reden.

          Amerika ist sich nach John Updikes Tod nicht einig, wie es ihn preisen soll. Womit es ihn nicht inbrünstiger preisen könnte. Denn, wie Malcolm Jones für „Newsweek“ schreibt, das Wundervollste an Updike sei gewesen, dass es für jeden, der gern las, einen Updike gab. Malcom nennt ihn einen literarischen Mischkonzern, so etwas wie die Autofirma General Motors in ihrer Glanzeit, als sie kleine Autos, große Autos, Lastwagen und alles zwischendrin produzierte.

          „Ein elegantes lexikalisches Ballett, choreographiert auf Papier“

          Im Gegensatz zu Jones, der sich über Updikes nichtfiktionales Œuvre weitaus mehr begeistert als über seine Romane, weiß Lev Grossman in der Onlineausgabe von „Time“: „Er war in seinem Innersten ein Romancier, und mit dem Roman wie auch mit der Short Story sollte er eine lebenslange Liebesaffäre eingehen.“ Grossmann rühmt Updikes „glitzernden, herrlich lebhaften Stil“, sein Talent, das Detail sprechen zu lassen und den kleinsten Wandel des Lichts oder der Laune einer Romanfigur in Prosa zu fassen. Vor allem als homme de lettres will ihm im „Boston Globe“ auch Mark Feeney ein Denkmal setzen. Allein in Henry James habe er unter amerikanischen Schriftstellern als Romancier-Kritiker einen Rivalen: „Mr. Updike kombinierte Sorgfalt und Brillanz. Nur wenige Schriftsteller haben ein solch elegantes lexikalisches Ballett auf Papier choreographiert.“

          Nicht jedem aber wollte diese Choreographie gefallen. Erinnert wird an Norman Mailer, der Updike vorwarf, er sei ein Schriftsteller, der Leser beeindrucke, die vom Schreiben nichts verstünden. Und zu Wort kommen darf auch noch einmal David Foster Wallace, der vor mehr als zehn Jahren Updike als einen „der letzten großen männlichen Narzisse“ abfertigte und damit in einem einzigen zornigen Schwung zudem Norman Mailer und Philip Roth vatermordete. Es half nichts, jetzt trauert ihm Christopher Lehmann-Haupt in der „New York Times“ als „einem kaleidoskopisch begabten Schriftsteller“ nach, dem es um Reichtum nur in der Beschreibung seiner Figuren gegangen sei. Dabei habe er, ungeachtet seiner Berufung und seines Temperaments, nach einer „burgherly existence“ gestrebt, wie einst Thomas Mann. Dass er nicht, wie Mann, den Nobelpreis bekam, wird ebenso vermerkt wie Updikes List, denselben seinem Anti-Alter-Ego Henry Bech zu verleihen.

          David Remnick, Chefredakteur des „New Yorker“, gesteht: „Kein Mitarbeiter war wichtiger für die Seele des ‚New Yorker’ als John. Wir haben ihn angebetet. Er war so lange der gute Geist des ‚New Yorker’, und wir können uns nur schwer die Zukunft ohne ihn vorstellen.“ Robert Silver von der „New York Review of Books“, für die er kaum weniger eifrig schrieb, schätzte ihn als „höchst präzisen und kühlen Beobachter, überaus elegant in seiner Art, Menschen zu beschreiben und bis in ihr Herz vorzudringen.“ In der Blogosphäre gedenkt im vielbesuchten “Gawker“ ein Mitarbeiter namens Richard der kurzen Popkarriere des Schriftstellers: „Er hatte eine umwerfend komische Nebenrolle in den ‚Simpsons’, als Ghostwriter der Biographie von Krusty the Klown. Also, alles in allem, ein Held.“

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