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Stalins jiddische Opfer 1952 : Wenn Dichtung zum Verbrechen wird

  • -Aktualisiert am

Dovid Hofstein (in der Mitte des Bildes zu finden direkt hinter dem ganz vorn plazierten Maler Marc Chagall) bei einem Besuch mit anderen jüdischen Künstlern beim Besuch eines Waisenhauses in Malakhovka, wohl 1921. Bild: JDC Archives

Vor siebzig Jahren fielen fünf jiddische Schriftsteller dem antisemitischen Furor Stalins zum Opfer. Einer von ihnen war Dovid Hofstein. So mancher seiner Texte erlangt durch die aktuellen Ereignisse neue Dringlichkeit. Ein Gastbeitrag.

          8 Min.

          Moskau, 12. August 1952: Nach einem absurden Geheimprozess werden dreizehn führende jüdische Intellektuelle der Sowjetunion hingerichtet, darunter zwei Frauen. Ort des Verbrechens ist die Ljubjanka, das berüchtigte Untersuchungs­gefängnis des damaligen sowjetischen Geheimdienstes NKWD. Ein weiterer Angeklagter wird später an den Folgen der Haft sterben; Lina Shtern, seinerzeit erstes weibliches Mitglied der sowjetischen Akademie der Wissenschaften, wird verbannt. Unter den Ermordeten sind fünf Schriftsteller, die in jiddischer Sprache schrieben: der in der ganzen Sowjetunion bekannte Kinderbuchautor Lejb (Lev) Kvitko, das literarische Multitalent Peretz Markisch, der Lyriker Itzik Fefer, der sich als Spitzel entpuppen wird, Dovid Bergelson, einer der bedeutendsten jiddische Prosaautoren des zwanzigsten Jahrhunderts, und der Dichter, Dramatiker und Übersetzer Dovid Hofstein. Sie alle waren führende Stimmen der jiddischen Literatur (nicht nur) der UdSSR. Sie alle waren Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, das von der sowjetischen Führung im Kampf gegen Nazi-Deutschland zehn Jahre zuvor eingesetzt wurde.

          Dieses antifaschistische Komitee – außer ihm gab es vier weitere – hatte nicht nur zum Ziel, Informationen über das Schicksal der Juden unter der deutschen Besatzung zu sammeln und bei der Evakuierung zu helfen. Es war ebenso als wichtiges Propagandainstrument im In- und Ausland gedacht. In einer groß angelegten Tournee reisten der Vorsitzende, der Schauspieler und Leiter des jiddischen Staatstheaters, Salomon Michoels sowie Itzik Fefer von Mai bis Dezember 1943 nach Mexiko, in die USA, nach Kanada und Großbritannien. Sie traten auf unzähligen Veranstaltungen und vor Tausenden von Menschen auf, trafen wichtige Persönlichkeiten (unter ihnen Albert Einstein), sammelten Spenden.

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