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Im Alter von 89 Jahren : Ägyptische Frauenrechtlerin Nawal al Saadawi ist tot

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Nawal al Saadawi in ihrer Wohnung in Kairo Bild: Foto - F.A.Z. Helumt Fricke

Nawal al Saadawi war die „Mutter“ der Frauenbewegung in Ägypten. Von Islamisten wurde die Feministin mit dem Tod bedroht. Nun ist sie im Alter von 89 Jahren gestorben.

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          Die berühmte ägyptische Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Nawal al Saadawi ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das teilte das ägyptische Kulturministerium am Sonntag mit. Lokalen Medienberichten zufolge starb sie in Folge einer nicht näher bezeichneten Krankheit. Das Ministerium gab als Todestag Sonntag an.

          Al Saadawi galt als „Großmutter der ägyptischen Frauenbewegung“ und war in ihrer Heimat bekannt dafür, Kontroversen auszulösen. Sie kämpfte gegen die Unterdrückung von Frauen und gegen weibliche Genitalverstümmelung, von der sie nach eigenen Angaben selber betroffen und traumatisiert war. Mehrere ihrer Bücher wurden in Ägypten und anderen arabischen Ländern verboten, da sie sich mit Tabu-Themen wie Sex und Frauenrechten befassten.

          In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ im Jahr 2012 forderte al-Saadawi säkulare Gesetze. Religionen wie das Christentum und der Islam mit ihren patriarchalen Strukturen dienten schlicht dem Zweck, Frauen zu kontrollieren und für die Interessen der Männer auszunutzen, argumentierte sie. „In islamischen Ländern zeigt sich die Unterdrückung an materiellen Dingen wie etwa dem Kopftuch“, so al Saadawi, „im Westen ist sie eher psychologischer Art.“

          Die Autorin und Ärztin hatte eigenen Aussagen nach auch Morddrohungen erhalten. Islamisten warfen ihr vor, vom Glauben abgefallen zu sein. Vor 20 Jahren versuchten sie sogar, eine Zwangsscheidung von al Saadawis Ehemann zu erwirken. Ein Gericht lehnte den Antrag jedoch aus formalen Gründen ab.

          Von der 1931 geborenen Schriftstellerin sind auf Deutsch unter anderem „Ich spucke auf euch. Bericht einer Frau am Punkt Null“ (1994) und „Fundamentalismus gegen Frauen“ (2002) erschienen. Die Autorin wurde auch als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis gehandelt.

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