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„A Room on the Garden Side“ : Vergessene Kurzgeschichte von Hemingway veröffentlicht

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Der Mann und das Meer: Hemingway liebte männliche Stereotype Bild: Edition Olms

Fünf Geschichten schrieb Ernest Hemingway im Sommer 1956 – und wies seinen Verlag an, sie erst nach seinem Tod zu veröffentlichen. Jetzt erscheint eine von ihnen zum ersten Mal.

          Eine bislang unveröffentlichte Kurzgeschichte von Ernest Hemingway ist im amerikanischen Literatur-Magazin „The Strand“ veröffentlicht worden. Die Geschichte trägt den Titel „A Room on the Garden Side“ und handelt von einem amerikanischen Schriftsteller namens Robert, der nach der Befreiung von Paris durch die Alliierten im August 1944 in Frankreich lebt. Der Literaturnobelpreisträger schrieb den Text im Jahr 1956.

          Hemingway selbst war im Zweiten Weltkrieg als Korrespondent in Europa und lebte mehrere Jahre in Paris, wo er für die „New York Times“ berichtete. Zum Zeitpunkt der Entstehung prägte der Schriftsteller mit seinem charakteristisch knappen Stil bereits seit Jahren die amerikanische Literatur. Seine erfolgreichsten Zeiten waren vorbei, seine Fixierung auf männlichen Heldenmut und die Betonung klassischer Tugenden wurden zunehmend als antiquiert wahrgenommen. Bilder von seinen Jagden auf Wildtiere in Afrika schadeten seinem Ruf.

          Im Sommer 1956 erinnerte sich Hemingway an seine Erfahrungen als Kriegskorrespondent. Nach Informationen der „New York Times“ schrieb er damals fünf Kurzgeschichten, schickte sie an seinen Verlag und schrieb dazu: „Sie können jederzeit veröffentlicht werden – wenn es mich nicht mehr gibt.“

          Sie nannten ihn „Papa“

          Nach seinem Tod im Jahr 1961 wurden die fünf Geschichten jahrzehntelang in der Hemingway-Sammlung der John-F.-Kennedy-Präsidentenbibliothek in Boston aufbewahrt. Obwohl sich Literaturwissenschaftler immer wieder auch mit den fünfzehn handgeschriebenen Seiten von „A Room on the Garden Side“ beschäftigten, blieben sie bis auf eine Ausnahme, die Kurzgeschichte „Black Ass at the Crossroads“, unveröffentlicht.

          Die Parallelen zu den persönlichen Erfahrungen des Schriftstellers in Paris sind unbestreitbar. Soldaten in „A Room on the Garden Side“ nennen den Protagonisten „Papa“, was Hemingways Spitzname war. Der Titel bezieht sich auf einen Blick aus dem Luxushotel Ritz auf den Place Vendôme, den der Schriftsteller liebte. Champagner, der Hotelservice, Diskussionen mit anderen Schriftstellern und das Leiden an der eigenen Berühmtheit spielen eine Rolle. „Hemingway's tiefe Zuneigung zu seiner Lieblingsstadt, die sich gerade von der Besetzung der Nazis erholt, hat diese Prosa geprägt“, sagte Andrew F. Gulli, Redaktionsleiter des „Strand Magazine“, der „New York Times“.

          Gulli hatte die Nachlassverwalter Hemingways gebeten, die Geschichte veröffentlichen zu dürfen. Es sei nicht darum gegangen, mit dem Abdruck ein neues Hemingway-Fieber auszulösen, sondern darum, eine Perle ans Tageslicht zu befördern.

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