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In Flauberts Heimatstadt Rouen : Entsprossen aus Blödheit

  • -Aktualisiert am

Die höchste Hubbrücke der Welt ist Flaubert gewidmet – und auch dieses Bistrot in Rouen. Um 1846 wohnte er auf der anderen Straßenseite. Bild: Marc Zitzmann

Vor 200 Jahren wurde der Schriftsteller Gustave Flaubert in Rouen geboren, und er verabscheute seine Heimatstadt. Was findet man heute, wenn man dort nach ihm sucht?

          7 Min.

          Über die Einwohner seiner Geburtsstadt Rouen hatte Gustave Flaubert (1821 bis 1880) nur Schlechtes zu schreiben. Sowenig er seine Mitbürger auch frequentiere, gestand er schon als Jüngling einem Freund, sie lasteten ihm doch auf den Schultern, „wie nur Landsleute lasten können“. 1872 verfasste der Romancier dann aus Anlass der Weigerung der Gemeindeobrigkeit, seinem verstorbenen Intimus, dem Dichter Louis Bouilhet, ein Denkmal zu errichten, einen offenen Brief, der in einen Rundumschlag gegen das Bürgertum gipfelte. Diesem warf Flaubert Stupidität, Verweichlichung und Verachtung für Intel­ligenz vor. Privat stand seine Meinung schon lange fest: „Der Bürger von Rouen ist immer etwas gigantisch Geisttötendes und pyramidenhaft Blödes.“

          So verwundert es nicht, dass Émile Zola im Grabgeleit seines Freundes am 11. Mai 1880 keine zweihundert Stadt­bewohner zählte. Vier Fünftel der Rouennais, ätzte Zola, wüssten nicht, wer Flaubert gewesen sei; das letzte Fünftel hasse ihn. Der Verstorbene, der zeitlebens alles Zeremonielle ins Lächerliche gezogen hatte, brachte es wie zur Rache fertig, postum die eigene Beisetzung zu sabotieren. Das ausgehobene Grab erwies sich – leider zu spät – als zu klein für den „Riesen-Sarg“ (Zola) des 112 Kilogramm schweren Hünen: Kopfüber blieb er stecken. Nach langem, zunehmend pein­lichem Hantieren der Totengräber zogen die Trauergäste unverrichteter Dinge wieder ab, in der feigen Hoffnung, irgend­jemand werde den Leichnam schon irgendwie unter die Erde bringen.

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