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Aufbau-Verlag : Ein Verleger unter Räubern

Im Zentrum einer Räuberpistole: der Aufbau-Verlag Bild: Aufbau Verlag

Siebzehn Jahre hat Bernd F. Lunkewitz um den Aufbau-Verlag gekämpft und gegen die mächtige Treuhandanstalt gefochten. Jetzt hat er die Schlacht gewonnen. Aber der Krieg ist noch nicht vorüber.

          5 Min.

          Die Geschichte klingt wie ein Kriminalroman aus den wilden Jahren der Wiedervereinigung. Es geht um den einstmals wichtigsten Verlag der DDR, um krumme Geschäfte, bei denen Autoren und Verlage aus dem Westen übers Ohr gehauen wurden, es geht um einen altlinken Multimillionär aus der Bankenhauptstadt Frankfurt am Main, um die legendären verschwundenen SED-Milliarden, um die Treuhandanstalt und um das Versprechen des Rechtsstaats, nach dem Zusammenbruch der DDR habe es mit der Staatswillkür ein Ende.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Wer diesen Roman schreiben wollte, müsste sich durch unzählige Aktenordner kämpfen, bergeweise Verträge und Gerichtsurteile durchforsten und nebenbei unzählige offene Fragen beantworten wie etwa die, ob ein namhafter Gutachter bestochen wurde und wer Ende 1991 ein Auto in Berlin aufgebrochen hat, um daraus zwei Aktenordner mit der Aufschrift „Aufbau-Verlag“ und „Volk & Welt“ zu stehlen. Vor allem aber müsste er in das Herz einer Behörde blicken, die in den Jahren der Nachwendezeit vielen im Osten des Landes als Verkörperung all dessen galt, was am Vereinigungsprozess als falsch und ungerecht empfunden wurde. Für Bernd F. Lunkewitz ist eine Behörde, die sich nicht an die Gesetze hält, schlichtweg eine „Räuberbande“.

          Ist der Streit damit an sein Ende gelangt? Keineswegs

          Man könnte sagen, dass der Bundesgerichtshof den Verleger in dieser Einschätzung bestätigt hat. Denn vor kurzem hat der BGH in letzter Instanz festgestellt, dass die Treuhand 1991 etwas verkauft hat, was ihr gar nicht gehörte. Der Streit um das Eigentum am Aufbau Verlag, der vor siebzehn Jahren begann und seit vierzehn Jahren vor Gericht ausgetragen wird, müsste damit an sein Ende gelangt sein. Aber der Eindruck täuscht: Der Streit tritt nur in eine neue Runde. Denn jetzt geht es um Schadenersatzansprüche. Die Höhe? Das könne niemand genau abschätzen, sagt Lunkewitz: „Aber vermutlich wird es um sehr hohe Millionenbeträge gehen.“

          Doch zunächst zur Vorgeschichte: 1991 übernahm die Treuhandanstalt den 1945 gegründeten Aufbau Verlag, um ihn zu privatisieren. Eine solche Privatisierung durch die Treuhand konnte aber nur unter der Voraussetzung erfolgen, dass es sich bei dem Verlag um einen volkseigenen Betrieb handelte. Tatsächlich gehörte der 1945 gegründete Verlag aber seit 1946 dem Kulturbund, in dessen erstem Präsidium Johannes R. Becher und Anna Seghers saßen. Elmar Faber, Geschäftsführer des Verlags seit 1982, hatte Interesse an einem Management-Buy-out bekundet und dafür Lunkewitz als Investor gewonnen. Es kam zu ersten Verhandlungen mit der Treuhand. Unabhängig davon hatte die Berliner Staatsanwaltschaft im August 1991 bei Durchsuchungen in Büros der SED Dokumente gefunden, aus denen hervorging, dass der Verlag seit den sechziger Jahren West-Autoren und ihre Verlage systematisch betrogen und in den sogenannten „Plus-Auflagen“ mehr Bücher gedruckt und verkauft hatte, als den Vereinbarungen entsprach. Die so erwirtschafteten Millionen wurden an die SED überwiesen. Damit kam der Verdacht auf, Faber könnten Mittel aus dem verschwundenen SED-Vermögen zur Verfügung stehen und Lunkewitz sei nur dessen Strohmann.

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