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Literaturrezension : Fleisch ist kein Gemüse

  • -Aktualisiert am

Vertiefter, aber auch besänftigter Blick: Andrea Roedig Bild: dtv

Kollateralschäden einer rheinischen Metzgerfamilie: Andrea Roedig erzählt aus ihrer Kindheit.

          4 Min.

          Literaturgeschichtlich haben sich die Auseinandersetzungen mit dem (eigenen) Vater bisher als ergiebiger und übrigens auch produktiver erwiesen; unnötig, hier Namen zu nennen. Solche mit der Mutter gibt es kaum – Gottfried Kellers „Grüner Heinrich“, der in der ersten, ­pessimistischeren Fassung an seinem schlechten Gewissen gegenüber der Mutter zerbricht; der andere Gottfried (Benn), der behauptete: „Ich trage dich wie eine Wunde auf meiner Stirn, die sich nicht schließt“ (John Lennon meinte es in dem Lied „Mother“ ähnlich); Thomas Mann, der sich selbst darüber wunderte, wie kalt er im „Doktor Faustus“ seine Mutter in Gestalt der Senatorin Rodde abgefertigt hatte; natürlich Michael Lentzens „Muttersterben“ und „Der Tod meiner Mutter“ von Georg Diez. Na ja, ein paar sind es dann doch.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Diese Schmerzenskinder haben jetzt ein Geschwisterchen bekommen: „Man kann Müttern nicht trauen“ von Andrea Roedig. Das genremäßig nicht weiter ausgewiesene, auch nicht allzu dicke Buch ist ohne Zweifel eine der bemerkenswertesten Neuerscheinungen dieses Frühjahrs, nicht nur für dtv. Es mag erlaubt sein, eine Selbstauskunft zu bemühen: „Das Buch erzählt in auto­fiktionaler Weise die Geschichte meiner Mutter, die die Familie verließ, als ich zwölf Jahre alt war. Es ist eine persön­liche Auseinandersetzung mit der Frage, wer diese Frau war, die mir zeitlebens fremd geblieben ist, und zugleich erzählt das Buch über ein Frauenleben in den sechziger und siebziger Jahren, über Wünsche, Hoffnungen und Befreiungsversuche.“

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