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Analyse von Koppetschs Plagiat : Verschleierungen und Bauernopfer

  • -Aktualisiert am

Gegen Cornelia Koppetschs Buch „Die Gesellschaft des Zorns“ wurden Plagiatsvorwürfe erhoben. Bild: Transcript Verlag

Von einem Versehen wird man nicht sprechen können: Eine Analyse der Plagiate von Cornelia Koppetsch in „Die Gesellschaft des Zorns“.

          2 Min.

          Plagiatsarbeit ist nicht gleich Plagiatsarbeit, ebenso wie Plagiat nicht gleich Plagiat ist. Es gibt verschiedene Kategorien. So fanden sich in der Doktorarbeit des früheren CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg eine Reihe von Komplettplagiaten. Dies sind Texte, die sich vollständig in einer früher datierten Quelle finden, ohne dass dies kenntlich gemacht ist. Solche Komplettplagiate zeugen von Dilettantismus, weil sie sich rasch entdecken lassen. Sie sind in Arbeiten von Wissenschaftlern selten und finden sich auch bei Koppetsch nicht.

          Die Soziologin verwendet stattdessen sogenannte „Bauernopfer“. Dabei werden Gedanken von Dritten übernommen, diese Quelle wird genannt, aber nur für einen Teil der Übernahmen. Als Beispiel soll hier folgende Überlegung des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek über den Populismus dienen: „Sein Aufstieg gleicht vielmehr einem Lavastrom, der sich aus einem Riss in der Erdoberfläche ergiesst. Der Neopopulismus ist das Resultat der Desintegration des liberal-demokratischen Grundkonsenses und des Unvermögens der Linken und Liberalen, eine valable Alternative aufzuzeigen.“ Diese Gedanken verwendet Koppetsch so: „Der Aufstieg der neuen Rechtsbewegungen verdankt sich, wie schon in der Einleitung aufgeführt, keiner plötzlichen Gefühlswallung, sondern, so hat der Philosoph Slavoj Žižek dies in einem Interview ausgedrückt, ,gleicht vielmehr einem Lavastrom, der sich aus einem Riss in der gesellschaftlichen Erdoberfläche ergießt‘ (Žižek 2018).

          Ein wissenschaftlicher Essay

          Dieser Riss ist einerseits das Resultat einer Desintegration des liberal-demokratischen Grundkonsenses und des Unvermögens der Linken und Liberalen, eine gangbare Alternative aufzuzeigen und andererseits das Resultat tektonischer Verschiebungen unter der gesellschaftlichen Erdoberfläche.“ Koppetsch gibt damit Žižek als Quelle des ersten Gedankens an, schreibt ihm aber nicht mehr die weitere Analyse zu. Sie verwendet dann auch keinen Konjunktiv, um die Äußerung zumindest noch indirekt mit Žižek in Verbindung zu bringen, sondern bedient sich des Indikativs und fügt einen eigenen Gedanken mit ein. Das ist ein typisches „Bauernopfer“.

          Eine weitere Methode sind Verschleierungen. Der Soziologe Andreas Reckwitz hat in seiner „Erfindung der Kreativität“ aus dem Jahr 2012 die Hauptgedanken von Richard Floridas Werk über den Aufstieg kreativer Klassen zusammengefasst. Koppetsch übernimmt leicht verändert diese Zusammenfassung, ohne Reckwitz zu nennen. Ihr Mix der Plagiatsformen „Bauernopfer“ und „Verschleierung“ ist typisch für plagiierende Wissenschaftler. Er findet sich etwa auch bei der früheren Vizepräsidentin der Universität Flensburg, in derer Dissertation 86 Plagiate gefunden wurden, davon 60 Bauernopfer, der Rest größtenteils Verschleierungen.

          Die Autorin hat die Hochschule inzwischen verlassen. In einem ähnlichen Fall hat das Verwaltungsgericht Würzburg im Juli 2017 entschieden, dass wortlautgetreue Übernahmen als solche kenntlich zu machen sind. „Andernfalls wird bei dem Leser die Fehlvorstellung erzeugt, hier setze sich der Verfasser mit eigenen Worten mit fremden Texten auseinander, wohingegen er tatsächlich nur abschreibt.“ Es liegt kein Zitierstil und keine Rechtsprechung vor, die die von Koppetsch verwendeten Methoden als zulässig erachtet. Das gilt auch für das Genre Sachbuch.

          Zwar ist Koppetsch Werk keine Qualifikationsschrift, aber ein wissenschaftlicher Essay, der Fußnoten und Literaturverzeichnis beinhaltet und damit zweifellos die Zitierregeln einhalten muss. Aufgrund der Menge der Übernahmen und deren Verteilung im gesamten Buch ist zudem die Erheblichkeitsschwelle überschritten. Von einem Versehen wird man daher nicht sprechen können.

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