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Amazons Quellen : Zynismus siegt

Wer könnte ihn einmal spielen? Jeff Bezos an einem seiner Lieblingsspielzeuge, dem Lesegerät Kindle Bild: REUTERS

Wie man den lokalen Buchhandel konsequent beiseite drängt: Amazon bietet in Amerika seine Kindle-Lesegeräte jetzt über Buchläden zum Verkauf an.

          So geht’s also: Erst ruiniert das Online-Kaufhaus Amazon in den Vereinigten Staaten den lokalen Buchhandel, vor allem in den ländlichen Regionen, wo die Distanzen groß und deshalb ein kostenloser Versandservice besonders attraktiv ist. Und dann zeigt man sich jenen Läden gegenüber, die erstaunlicherweise doch überlebt haben, scheinbar großzügig und bietet ihnen nun an, den amazoneigenen E-Reader Kindle zu vertreiben.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Damit bekommen die Buchhändler zwar einen Teil vom Kuchen des Gerätehandels ab, aber niemand wird erwarten, dass die Käufer später für den Erwerb der entsprechenden E-Books wieder ins Buchgeschäft gehen, wo sie sie doch eh alles im Netz bei Amazon direkt herunterladen können. Immerhin bekommen Händler, die sich zu dieser Zusammenarbeit gewinnen lassen, zwei Jahre lang von jedem elektronischen Buch, das Amazon für den einzelnen bei ihnen erworbenen Kindle verkauft, zehn Prozent des Preises.

          Danach aber versiegt diese Quelle, und so kann man es als Gipfel des Zynismus bezeichnen, wenn Amazon diese Verkaufsoffensive auch noch „Source“ nennt. Eine Quelle nie versiegenden Vergnügens wird die Sache nur für den Internet-Riesen sein, der damit sein E-Book-Format am Markt stärkt und etwaige Konkurrenten aus den Geschäften verdrängt. Bislang hatte etwa die große Buchhandelsklette Barnes & Nobles versucht, mit einem eigenen Lesegerät zu reüssieren. Man darf gespannt sein, ob dieser Platzhirsch der stationären Buchhandelsbranche in Amerika einknickt. Und wann Amazon dieses Programm auch in Europa beginnt.

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