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Amazon-Gegner Douglas Preston : Die Leser sind unsere besten Freunde

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Es ist ein Kampf mit einem Riesen: Authors United hat einen neuen Protestbrief gegen die Dominanz von Amazon veröffentlicht. Fünf Fragen an Douglas Preston, den Begründer der Gruppe.

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          Herr Preston, Sie sind Begründer der amerikanischen Schriftstellergruppierung Authors United. Was hat Sie dazu bewogen, diese ins Leben zu rufen?

          Wir sind im letzten Jahr zusammengekommen, um gegen Amazons üble Behandlung der Autoren im Streit mit Hachette zu protestieren. Amazon benutzte uns Autoren als Pfand, um bessere Verkaufskonditionen zu erreichen.

          Der Streit zwischen Amazon und Hachette ist beigelegt. Authors United hat jedoch nun einen neuen Protestbrief veröffentlicht, diesmal an die Justizbehörden, in dem es heißt: „Das Ende des Konflikts hat am grundlegenden Problem nichts geändert, nämlich dass ein einziges Unternehmen den amerikanischen Buchmarkt dominiert. Wir sind der Auffassung, dass Amazon seine Marktmacht in einer Art und Weise ausübt, die den Interessen von Autoren, Lesern, Buchhändlern und der gesamten Verlagsbranche zuwiderläuft.“ Warum dieses Schreiben?

          Uns ist klargeworden, dass das Problem weit über den Amazon-Hachette-Streit hinausgeht. Ein Unternehmen hat einen monopolistischen Zugriff auf den amerikanischen Buchmarkt, was Verkauf, Vertrieb und Veröffentlichungen angeht: Das wäre selbst dann beunruhigend, wenn es sich bei Amazon um eine freundliche Firma handelte. Aber so ist es nicht. Amazon ist dabei, den freien Ideenfluss in unserer Demokratie zu beschränken.

          Welche Reaktion erhoffen Sie sich?

          Wir wünschen uns, dass das Justizministerium eine Lösung findet, die den Wettbewerb, die Vielfalt und die Offenheit der Buchmärkte stärkt. Wie die aussehen könnte, weiß ich nicht.

          Hat Amazon vergessen, dass nicht nur Leser seine Kunden sind, sondern auch Autoren?

          Das ist eine gute Frage. Die Antwort ist ein entschiedenes Ja. Und nicht nur das: Amazon scheint nicht zu begreifen, dass Leser Autoren respektieren, dass sie Autoren mögen und Autoren unterstützen. Leser sind unsere besten Freunde, und wenn Amazon den Autoren schadet, merken das viele Leser und ziehen daraus Konsequenzen.

          Wie könnte das Ökosystem der Buchmärkte in Amerika gewahrt werden? Durch eine Buchpreisbindung, wie wir sie in Deutschland haben?

          Für Amerika wäre das wahrscheinlich nicht die Lösung. Unsere Verlagslandschaft ist zweihundert Jahre lang sehr vielfältig, frei und offen gewesen. Noch nie haben wir es einem einzelnen Unternehmen erlaubt, dieses essentielle Kommunikationsmedium zu dominieren, zu kontrollieren und zu überwachen. Das sollten wir auch jetzt nicht.

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