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Die Amazon-Gefahr : Warum unsere Buchverlage Angst haben müssen

Amazon übt Druck auf einige Verlage aus, Widerstand gegen die Methoden ist bisher nur vereinzelt wahrzunehmen Bild: dapd

Jetzt ist klar: Amazon will weltweit die Verlage knebeln und am Ende überflüssig machen. Deren Widerstand ist zögerlich. Die Verlage schweigen. Dabei haben sie alles zu verlieren.

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          Die Gegenwart: Amazon ist der größte Kunde der Verlage. In manchen Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien wickelt der Internetriese bereits den halben Buchhandel ab, und bei den E-Books ist die Marktmacht des amerikanischen Konzerns dort noch größer. Die Zukunft: Amazon wird zum größten Konkurrenten der Verlage, denn das Unternehmen zieht immer mehr verlegerische Aufgaben an sich. Bei E-Books ist das schon längst der Fall, bei gedruckten Büchern gehen alle Signale in diese Richtung. Aus diesem Zwiespalt zwischen Gegenwart und Zukunft resultiert das Problem der Verlagsbranche im Umgang mit der Herausforderung Amazon.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Deshalb ist es auch so schwierig, in der Branche breiten Widerstand gegen die aktuellen Vertragsforderungen, die Amazon gegenüber einzelnen Verlagen erhebt, zu organisieren oder auch nur zu artikulieren. Hinter vorgehaltener Hand sprechen viele Verlagsleiter von Amazon wie von einer Seuche, die es zu bekämpfen gilt, doch öffentlich wollen sie nicht zitiert sein, denn alle fürchten Sanktionen durch ihren größten Kunden. Dass ein mächtiges Haus wie Bastei-Lübbe nun im Vorgriff auf erwartete Amazon-Forderungen mitgeteilt hat: „Mit uns nicht“, ist bislang noch ein Einzelfall.

          Befreiung aus der Knechtschaft?

          Sympathiebekundungen dagegen erfordern wenig Mut. Vor kurzem äußerte sich Martin Shepard, der Gründer und Verleger des amerikanischen Verlags Permanent Press, in einem Blogeintrag, der dann von der Londoner Tageszeitung „The Times“ nachgedruckt wurde, begeistert über Amazon: Nur dessen Existenz sorge noch dafür, dass der englischsprachige Buchmarkt existiere, denn die normalen Buchhandlungen hielten kaum noch Titel vorrätig, und die großen Handelsketten handelten ruinöse Rabatte aus. Das war allerdings noch vor den Recherchen des englischen Fachorgans „The Bookseller“, deren Ergebnisse jetzt bekanntgeworden sind.

          Niemand aus der britischen Verlagsbranche traute sich, dem „Bookseller“ mit seinem Namen als Quelle zu dienen, aber gegen das Versprechen auf Anonymität erfuhr das Wochenmagazin von laufenden Vertragsverhandlungen mit Amazon, die das traditionelle Verlagsmodell auf den Kopf stellen wollen. Kern der Forderungen des Internetkonzerns ist dabei eine Vereinbarung, die es ihm gestatten würde, Bücher, die Amazon anbietet, die aber beim Verlag gerade nicht vorrätig sind, in eigener Regie nachzudrucken und auszuliefern. Selbst wenn dafür Geld an den ursprünglichen Rechteinhaber fließen soll, ist das eine Enteignung, weil es keine verlegerische Entscheidung mehr über den Umgang mit Büchern des eigenen Programms geben würde. Von Amazon wird das als Befreiung der Autoren aus der Knechtschaft der Verlage verkauft.

          Wie die Hintergründe ans Licht kamen

          Doch auch die Autoren werden kein Wort bei dieser Möglichkeit zum Nachdruck ihrer Bücher mitreden dürfen, denn die Verhandlungen darüber finden ja nur zwischen Amazon und dem Verlag statt. Es sei denn, sie gingen direkt mit ihren Werken zum Verleger Amazon, den es ja auch gibt. Und das ist der Hintergrund aller Vertragsoffensiven, die das Netzunternehmen derzeit unternimmt: Amazon will die Verlage überflüssig machen. Wie könnte das besser gelingen, als ihnen die Legitimation gegenüber den Autoren streitig zu machen?

          Bei den E-Books ist das bereits vorgeführt worden. Hier ist Amazon nicht nur größter Anbieter in allen westlichen Staaten, sondern auch größter Verleger. Autoren lockt man mit höheren Tantiemen, Konkurrenzverlage, die ihre E-Books über Amazon anbieten wollen, setzt man unter Rabattdruck. So geschieht es seit mehreren Monaten in den Vereinigten Staaten gegenüber der Hachette-Gruppe und seit Mai in Deutschland gegenüber den Verlagen des schwedischen Bonnier-Konzerns, zu denen mit Piper, Carlsen, Ullstein und dem Berlin Verlag gleich mehrere renommierte Häuser gehören.

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