https://www.faz.net/-gr0-7q51x

Autoren gegen Amazon : Zwergenaufstand?

Bestsellerautoren protestieren gegen Amazons Geschäftsgebaren. Kann der Aufstand der Riesenzwerge den Riesen zu Fall bringen?

          2 Min.

          Das Geschäftsmodell von Amazon ist eine Wette darauf, dass in Zeiten des Online-Handels nichts so wichtig ist wie schiere Größe. Denn wer groß genug ist, diktiert die Spielregeln. Und wirkt nicht tatsächlich jeder Konkurrent wie ein Zwerg neben dem größten Einzelhändler der Welt? Was kann ein Einzelner da schon machen?

          Die Antwort lautet: eine ganze Menge. Was der Online-Goliath in den Vereinigten Staaten in diesen Tagen erlebt, ist ein Aufstand der Riesenzwerge: James Patterson, einer der auflagenstärksten Schriftsteller der Welt, prangert Amazons Geschäftsgebaren ebenso an wie John Green, der mit seinem Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ eines der international erfolgreichsten Jugendbücher der letzten Jahre verfasst hat. Damit steht Green zur Zeit auf Platz eins der Amazon-Bestsellerliste, was ihn nicht daran hindert, dem Unternehmen die Einschüchterung und Drangsalierung von Geschäftspartnern vorzuwerfen.

          Illustre Zwergengemeinschaft

          Während Patterson den Vorwurf der Monopolbildung erhebt und Green offen die Befürchtung geäußert hat, Amazon wolle Verlage in die „Nichtexistenz“ treiben, drückte sich Auflagen-Milliardärin Joanne K. Rowling ironischer aus. Auf Twitter ermunterte sie ihre Leser dazu, Amazons freundlicher Anregung zu folgen und ihren neuen Roman „The Silkworm“ woanders zu kaufen. Rowlings Roman wird wie andere Bücher, die bei Hachette erscheinen, von Amazon nicht angeboten oder mit sehr großen Verzögerungen ausgeliefert, weil Amazon den Verlag auf diese Weise bei Rabattverhandlungen in die Knie zwingen will.

          Amazon trägt den Kampf um größere Rendite gnadenlos auf dem Rücken der Autoren aus, aber nicht weniger gnadenlos auch auf dem Rücken seiner eigenen Kunden.

          Vereint gegen den Riesen

          Der Satiriker und Fernsehstar Stephen Colbert, der vom „Time Magazine“ vor einigen Jahren zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten gezählt wurde, eröffnete am Mittwoch in seiner Sendung eine regelrechte Offensive: Colbert, der selbst mit seinem bei Hachette erschienenen Buch „America again“ zu den Betroffenen zählt, hielt einen Aufkleber mit der Aufschrift „Ich habe nicht bei Amazon gekauft“ in die Kamera.

          Sein Gast, der Schriftsteller Sherman Alexie, wies darauf hin, dass Amazon sogar Debütanten boykottiere und forderte die Zuschauer gemeinsam mit Colbert dazu auf, Edan Lepuckis Erstling „California“ zu erwerben. Am nächsten Tag war „California“ das meistverkaufte Buch beim Online-Händler „Powell’s Books“, obwohl es erst im Juli erscheinen wird.

          Amazon, so heißt es, habe sich zu all diesen Vorgängen nicht geäußert. Ein Unternehmen, das auf schiere Größe setzt, kümmert sich halt nicht um die Proteste von einzelnen. Doch viele Zwerge sind des Riesen Tod.

          Hubert Spiegel
          Redakteur im Feuilleton.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht tief verwurzelt im Osten: Digitaler Parteitag der Grünen in Sachsen-Anhalt

          Grüne in Ostdeutschland : Zu weit weg von der Lebensrealität

          Die Grünen tun sich seit Jahrzehnten in Ostdeutschland schwer. Die Gründe, warum sie dort bei Wahlen meist deutlich schlechter abschneiden als im Westen, sind vielfältig. Einer davon ist die Schwäche der Partei auf dem Land.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.