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Amazons Praktiken : Ein Affront für die Käufer

Nachdem Amazons Umgang mit Büchern aus unliebsamen Verlagen bekannt wurde, kommt harsche Kritik von Verlagsgemeinschaften und Literaturagenten: Das Vorgehen des Marktriesen lasse Böses ahnen.

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          Die erpresserische Behinderung der Auslieferung von Büchern durch Amazon, um damit deren Verlage zum Zugeständnis besserer Handelskonditionen zu zwingen, spielt dem klassischen Buchhandel in die Hände, der nunmehr auf enttäuschte Buchkäufer hoffen darf, die dem Internetkonzern den Rücken kehren. Doch die Branche fürchtet einen Imageschaden, der über Amazon hinausgeht, und deshalb haben 820 unabhängige Buchhändler und Verleger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg, die sich in der Branchengruppe „Buchhandelstreff“ zusammengefunden haben, eine scharfe Stellungnahme formuliert: „Das Ausnutzen von Marktmacht, die bewusste Lieferverzögerung von Titeln ausgewählter Verlage, um Druck aufzubauen, um Konditionenforderungen durchsetzen zu können, ist nicht nur ein bedrohliches Zeichen für die Buchbranche, sondern auch ein klarer Affront gegenüber dem Buchleser und -käufer. Gerade die schnelle Beschaffung des Kulturguts Buch ist die Grundaufgabe des Buchhandels. Wer diese torpediert, um geschäftliche Vorteile zu erzwingen, macht deutlich, wie er mit wachsender Marktmacht umzugehen gedenkt.“

          Gefährdung der Geschäftsgrundlage der Kulturschaffenden

          Auch unter Literaturagenten regt sich Widerstand gegen Amazon. Die in Zürich angesiedelte Agentur Paul & Peter Fritz, die mehr als viertausend Autoren vertritt und weltweit mit zweihundert Verlagen zusammenarbeitet, begrüßt die standhafte Haltung des Verlagskonzerns Bonnier gegenüber Amazon: „Wir beobachten natürlich als Vertreter unserer Autoren sehr genau, wie sich die anderen Verlage in diesem Bezug verhalten, denn langfristig muss das Geschäft für alle Parteien auskömmlich sein. Mit den offensichtlich im Raum stehenden Forderungen gefährdet Amazon jedoch die Geschäftsgrundlage der Kulturschaffenden.“

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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