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Amazon antwortet : „Diese Behauptung ist nicht wahr“

Was kann denn Amazon dafür, wenn die Verlage liefern müssen? Das Lager des Online-Händlers im hessischen Bad Hersfeld Bild: dpa

Amazon geht aus der Deckung und wehrt sich gegen die Beschwerde des Börsenvereins beim Kartellamt. Aber die Stellungnahme des Internetkonzerns bestätigt nur die Vorwürfe.

          Nach der Beschwerde des Börsenvereins des Deutsche Buchhandels am Dienstag sieht sich der sonst so verschwiegene Internetkonzern Amazon zu einer Antwort gezwungen. Sie erfolgte per „Stellungnahme“, die aber auf Nachfrage von FAZ.NET bis jetzt nicht bei uns eingegangen ist und also nach dem zitiert werden muss, was die Zeitschrift „Buchreport“ und das Internet-Forum Golem.de berichtet haben.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Gegenstand der Beschwerde des Börsenvereins ist das Verhalten Amazons im Streit um höhere E-Book-Rabatte mit der schwedischen Bonnier-Verlagsgruppe, zu der mit Berlin, Piper, Ullstein oder Carlsen etliche namhafte deutsche Verlage gehören. Die Stellungnahme, die von der in München residierenden Amazon-Zentrale für Deutschland  stammt und durch die Unternehmenssprecherin Christine Höger gegenüber Golem.de bekräftigt wurde, reagiert vor allem auf den Vorwurf des Börsenverein-Hauptgeschäftsführers Alexander Skipis, Amazon verstoße mit seinem erpresserischen Vorgehen gegenüber Verlagen gegen das Kartellrecht.

          Amazon verwehrt sich gegen die Behauptung, man verzögere systematisch die Auslieferung von Büchern, die bei zu Bonnier gehörenden Verlagen erscheinen. Diese Behauptung sei nicht wahr, man halte nur „einige Printtitel“ aus diesen Häusern weniger zahlreich auf Lager, „als wir dies normalerweise tun würden“, ordere aber bei Kundenbestellungen, die aus dem schmaleren Vorrat nicht mehr bedient werden können, sofort nach. Die Schnelligkeit der Zustellung an die Amazon-Besteller hänge also vom Tempo der Belieferung des Internethändlers durch die Verlage ab.

          Ein exemplarischer Kampf

          Aber was ist das anderes als just die dem Unternehmen vorgeworfene systematische Verzögerung der sonst offenbar üblichen Lieferungsabläufe, da Amazon ja einräumt, solche verminderte Vorratshaltung nur im Falle von Bonnier-Büchern zu betreiben? Allerdings erhebt der Internetkonzern seinerseits gegenüber der Verlagsgruppe den Vorwurf, dass Bonnier für E-Books mehr Geld von Amazon verlange als für die entsprechenden gedruckten Ausgaben, obwohl Herstellung, Lagerung und Auslieferung elektronischer Bücher doch viel preiswerter seien. Deshalb sollten E-Books für die Kunden billiger sein als gedruckte Titel.

          Das sind sie aber für den Endkunden auch; nur als Zwischenhändler zahlt Amazon mehr Geld für elektronische Bücher, eben weil bei der Verlagspreisfestsetzung für Druckwerke der größere Aufwand für deren Vertrieb berücksichtigt wird und deshalb bei klassischen Büchern dem Handel höhere Rabatte auf den in Deutschland festgesetzten Ladenpreis eingeräumt werden. Amazon erwartet aber auch bei E-Books von Bonnier Rabatte von bis zu fünfzig Prozent; üblich sind dem Vernehmen nach derzeit dreißig. Um höhere Nachlässe durchzusetzen, hat sich das Versandunternehmen zu seinem exemplarischen Kampf gegen Bonnier entschlossen. Man darf sicher sein, dass die anderen Verlage folgen werden, wenn der schwedische Konzern erst einmal einknickt. Dass Amazon selbst auch Großverleger von E-Books und damit Konkurrent der klassischen Buchverlage ist, sei nur am Rande vermerkt.

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