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Markus Hatzer vom Haymon-Verlag : Amazon treibt uns alle derzeit vor sich her

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Markus Hatzer in der zum Verlag gehörenden Buchhandlung Haymon am Innsbrucker Sparkassenplatz Bild: Andreas Müller

Niemand im Verlagsgewerbe äußert sich gern zu Amazon, doch einer erklärt, wie der Konzern die Verlagslandschaft auf den Kopf stellt und was man dagegen tun kann. Ein Gespräch mit Markus Hatzer vom Haymon-Verlag.

          5 Min.

          Amazon ist so schnell auf dem Markt unterwegs, dass dem Buchhandel und den Verlagen Hören und Sehen vergeht. Der Konzern will nichts weniger als die Verlagslandschaft neu organisieren, nicht mehr nur Händler, sondern auch Verleger sein und die Verlage überflüssig machen. Lässt sich diese Entwicklung überhaupt noch aufhalten?

          Nein, das lässt sich nicht mehr aufhalten. Schon allein, weil diese Entwicklung nicht von Amazon allein getrieben wird, sondern mit einem Strukturwandel einhergeht. Die technologische Revolution des Internets schafft permanent neue Verhältnisse, nicht nur in der Buchbranche, sondern überall. Für mich als Buchhändler und auch als Verleger lautet die Frage daher nicht, wie man das aufhält, sondern wie man darauf reagieren kann.

          Wie denn?

          Wenn ich als Buchhändler spreche, so habe ich den Vorteil gegenüber Amazon, dass ich am Ort bin und die Kunden in mein Geschäft kommen, nicht allein, um ein Buch zu erwerben. Sie schätzen es auch, beraten zu werden von jemandem, der ihre Lektürevorlieben kennt. Die Verlage wiederum müssen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, weil sie im Vertrieb an Einfluss und Erlös verlieren.

          Was sind das für Kernkompetenzen?

          Das Entdecken von Autoren, das Fördern von literarischem Talent, die Aufbereitung eines Textes im Lektorat, die Gestaltung eines Buchs. Wenn wir uns darauf besinnen, dann sehe ich für die Zukunft nicht schwarz. Ein Buch zu machen oder einen Autor über Jahre hinweg zu begleiten, das sind sehr kleinteilige, kommunikativ höchst anspruchsvolle Prozesse. Von einer Maschine wie Amazon lässt sich das nicht so leicht abbilden.

          Die Situation ist gerade besonders dramatisch. Verleger stöhnen, die Bücher lägen wie Blei in den Regalen. Abgesehen vom üblichen Lamentieren der Branche - wie ernst ist es wirklich?

          Es ist sehr ernst. Im Grunde genommen befindet sich alles im Umbruch, weil sich die Kalkulationsgrundlagen der Verlage ändern. Wir brauchen einen anderen Ansatz, der den neuen Vertriebswegen und Modellen entspricht. Wir wissen heute zum Beispiel nicht, wie hoch in ein paar Jahren der E-Book-Anteil an der verkauften Stückzahl eines Buchs sein wird oder wie sich die neuen Flatrate-Angebote auf die Kalkulation auswirken werden.

          Amazon spielt zudem mit dem Gedanken, ins bereits etablierte Verlagsgeschäft einzusteigen. Gerüchte wollen wissen, dass Amazon Simon & Schuster kaufen will, einen der größten amerikanischen Buchverlage.

          Aus Amazons Sicht wäre das sinnvoll. Eines seiner Probleme ist ja, dass es verlegerisch bisher nur Teilerfolge verbuchen konnte, zum Beispiel bei E-Books, und das vor allem, weil sich die in ihrem Shop gut plazieren lassen. Aber dieser Erfolg ist in erster Linie den amazontypischen Vertriebsmodellen zuzuschreiben. Was die inhaltliche Arbeit anbetrifft, ist Amazon noch dabei zu lernen. Die Übernahme eines bedeutenden Hauses würde einen enormen Wissenstransfer aus dem Erfahrungsschatz traditioneller Verlage in Richtung Amazon bedeuten. Das versetzte Amazon in die Lage, die alte und die neue Welt zu verbinden.

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