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Markus Hatzer vom Haymon-Verlag : Amazon treibt uns alle derzeit vor sich her

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... und den Markt aufzumischen. Man darf ja nicht erwarten, dass Amazon sich harmonisch ins klassische Verlagswesen einfügen würde.

Amazon wird sich auch in Zukunft nirgendwo harmonisch einfügen. Das Unternehmen ist getrieben von der Ökonomie. Amazon wird rasch lernen und in so viele Geschäftsbereiche wie möglich eindringen, nicht nur in der Buchbranche. Also müssen die Verlage gegensteuern und sich Tätigkeitsfeldern widmen, die von Amazon nicht so leicht übernommen werden können.

Waren Verlage bislang Inseln der Glückseligkeit, die vom Wirtschaftsleben letztlich wenig Ahnung hatten?

Nein. Buchverlage waren in der Vergangenheit und sind auch heute extrem innovative Unternehmen, in denen es permanent um Erneuerung geht. Man veröffentlicht ja Saison für Saison neue Programme, eine Auswahl an Büchern, die einerseits den aktuellen Trends entsprechen, andererseits neue Trends setzen, und ist daher unentwegt dabei, zu hinterfragen, zu prüfen, zu diskutieren, zu recherchieren, zu erneuern. Wir sind keine verschlafene Branche. Nur passieren die Veränderungen durch die moderne Technologie heutzutage extrem schnell und auch börsengetrieben. Mit diesem Wandel in allen Bereichen mitzuhalten ist eine ständige Herausforderung. Aber wir stehen nicht so schlecht da.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Gerade las ich im „Buchreport“, dass Crowdfunding der neueste Trend in der Buchbranche sei, was so einfach nicht stimmt. Schon die Lexikonautoren vor dreihundert Jahren haben Subskriptionsbestellungen gesammelt, um sich zu finanzieren. Das ist kein neuer Trend, es heißt jetzt eben nur anders. Tatsache ist: Wir greifen auf einen jahrhundertelangen Erfahrungsschatz zurück, insofern glaube ich daran, dass die Branche die Kraft hat, sich zu behaupten.

Aber der Druck, den Amazon auf die Verlage aufbaut, etwa durch verzögerte Lieferzeiten, ist enorm?

Amazon ist sehr mächtig, macht aber im Grunde, was Buchhändler immer schon gemacht haben: nämlich jene Bücher, die sie zu besonders günstigen Konditionen einkaufen konnten, zu bevorzugen, etwa direkt an die Kasse zu legen. Das ist nicht neu. Aber auf welche Weise dies bei Amazon geschieht, mit welcher Effizienz, mit welch enormer Sichtbarkeit und hohem Marktanteil - das ist neu.

Warum gibt es zu Amazon keine Alternative?

Das liegt an der Dynamik der Internetökonomie. Wir haben mit Google im Moment eine Suchmaschine, die deshalb so übermächtig werden konnte, weil wir uns noch in einem relativ frühen Stadium der Entwicklungen im Internetzeitalter befinden. In einer Art gesetzlosem Zustand, in dem Einzelne als Pioniere vorpreschen konnten und traditionelle Unternehmen wie gelähmt zusahen. Aber das wird sich mit der Zeit wieder verschieben.

Welche Fehler haben die Verlage gemacht?

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