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Hörbuchverlage bedroht : Amazons nächster Angriff

Markt ohne Buchpreisbindung: Amazon sorgt im Hörbuchsegment für Aufregung. Bild: dpa

Erst hielt Amazon die Verlagswelt mit seinen Preisvorstellungen bei E-Books in Atem, jetzt sind die Hörbücher dran. Die Buchbranche spricht von Erpressung, die Amazon-Tochter Audible von Innovation.

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          Der Burgfriede währte nur kurz. Nachdem Amazon sich im Streit um die Buchpreise auf der digitalen Plattform mit Verlagen wie Simon & Schuster, Hachette und Harper Collins unlängst geeinigt hat, legt sich der Online-Händler jetzt abermals mit der Verlagswelt an. Diesmal nimmt Amazon deutsche Hörbuchverlage ins Visier, wie der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe meldet. Audible, die Amazon-Tochter für alle digitalen Hörbedürfnisse, hat mehreren kleinen Verlagen die Verträge gekündigt und ihnen neue Konditionen vorgelegt.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Das Geschäftsmodell von Audible ist einfach: Für monatlich 9,95 Euro kann man sich jeden Monat ein Hörbuch herunterladen, das in den meisten Fällen von traditionellen Verlagen stammt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sämtliche Vertriebskosten fallen weg, und die Hörbücher können in digitaler Form ungekürzt erscheinen. Von der umfangreichen Proust-Box und Thomas Mann über die Bestseller von Hilary Mantel und Murakami bis zu kleinen Trouvaillen hat Audible 150.000 Titel im Angebot. Auf dieser Plattform nicht präsent zu sein, kann sich ein Verlag kaum leisten. Und genau hier setzt Audible an: Denn wer den neuen Konditionen nicht zustimmt, muss mit Auslistung seiner Titel rechnen. Das neue Flatratemodell aber, das Audible vorschwebt, wollen die Verlage so nicht mittragen.

          Kampfansage mit neuer Schärfe

          Die meisten Hörbücher, rund siebzig Prozent, werden zwar noch immer als CD gekauft, doch der digitale Markt wächst, und er wird von Audible dominiert. Der Marktanteil des Unternehmens liegt bei neunzig Prozent im Downloadbereich. Ein Ausschluss ist daher insbesondere für kleinere Häuser existentiell. Deshalb erwägen die Betroffenen eine Beschwerde beim Bundeskartellamt. Auch der Börsenverein prüft das Vorgehen juristisch: „Wenn Amazon jetzt seine erdrückende Marktmacht auf diesem Gebiet dergestalt nutzt, die Verlage quasi erpresserisch dazu zu bringen, die diktierten Konditionen zu akzeptieren, dann handelt es sich aus meiner Sicht um ein rechtswidriges Vorgehen“, sagt Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

          Auf eine Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hält sich Audible-Geschäftsführer Nils Rauterberg  bedeckt. Details der Geschäftsbeziehungen wolle er nicht öffentlich diskutieren, so Rauterberg, er könne „jedoch versichern, dass unsere Pläne viele unserer Partner begeistern. Sie arbeiten mit uns gemeinsam intensiv daran, neue Geschäftsmodelle zu realisieren, die das Hörbuchgeschäft weiter wachsen lassen werden.“ Hörbücher konkurrierten schließlich mit einer wachsenden Zahl digitaler Unterhaltungsmöglichkeiten und in zunehmendem Maße auch mit Abo-Diensten für Bücher, Musik und Videos. Audible sei seit zwei Jahrzehnten „Pionier des digitalen Audio-Entertainment“ – und treibe Innovationen kontinuierlich voran, im Interesse von Autoren, Verlagen und Hörern.

          Wie angriffslustig jedoch Amazon gegenüber Verlagen bisweilen auftritt, zeigte sich erst im vergangenen Jahr, als der Online-Riese zeitweise die Auslieferung von Büchern bestimmter Verlage verzögerte und Vorbestellungen für Neuerscheinungen nicht mehr entgegennahm, bevor es zur Einigung kam. Die Kampfansage an die traditionellen Hörbuchverlage gewinnt durch den neuen Streit an Schärfe. Denn im Hörbuchmarkt gibt es keine Buchpreisbindung.

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