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Rohrkrepierer : Amazon steckt im Kampf um höhere E-Book-Rabatte zurück

Im Streit mit den deutschen Verlagen der Bonnier-Gruppe hat Amazon eingelenkt. Von ihrer Unbeugsamkeit sollte ein Signal ausgehen über die deutschen Grenzen hinaus.

          Amazon kämpft mit harten Bandagen, wenn es um sein angestrebtes Monopol auf dem E-Book-Markt geht. Das hat zuerst die amerikanische Verlagsgruppe Hachette Books erfahren, die sich weigerte, dem Internetversandriesen höhere Rabatte auf seine E-Books einzuräumen. Amazon bestellte Hachette-Bücher nur noch systematisch verzögert nach und mutete damit den eigenen Kunden längere Lieferzeiten zu, die es gar nicht hätte geben müssen. Das schadete dem Absatz von Hachette in Amerika und verunsicherte deren Autoren.

          Als die F.A.Z. bekanntmachte, dass Amazon auch in Deutschland die Verlage der Bonnier-Gruppe, darunter Ullstein, Piper, Carlsen und Berlin, durch solche kombinierten Bestell- und Lieferverzögerungen unter Druck setzte, um statt der sonst üblichen dreißig bis vierzig Prozent künftig Rabatte von fünfzig Prozent auf E-Books zu erhalten, war damit ein Schweigegebot gebrochen; beide Seiten hätten diese Auseinandersetzung lieber geheim gehalten. Nun aber erfuhr man, dass auch die Bastei-Lübbe-Verlagsgruppe von Amazon schon zu niedrigeren Abgabepreisen bei E-Books aufgefordert worden war, ohne allerdings wie Bonnier bislang erpresst worden zu sein. Denn Amazon sucht sich gern pro Land einen einzigen, allerdings durchaus mächtigen Gegner aus, um bei Erfolg seiner entsprechenden „Verhandlungsstrategie“ den anderen Verlagen zu signalisieren, dass Widerstand bei ähnlichen Forderungen keinen Zweck hätte.

          Der Widerstand hat sich gelohnt

          In Deutschland scheint diese Strategie nun zum Rohrkrepierer zu werden: Der „Spiegel“ meldet in seiner aktuellen Ausgabe, dass Amazon im Streit mit Bonnier eingelenkt und ein Angebot unterbreitet habe, das sich auf E-Book-Rabatte von weniger als vierzig Prozent beschränkt und mit einer Vertragslaufzeit von vier Jahren langfristige Planungssicherheit bietet; bislang liefen Vereinbarungen mit den Verlagen nur jeweils für ein Jahr. Und da auch Bastei-Lübbe bestätigt, dass Amazon von seinen ursprünglichen Forderungen abgerückt sei, zeigt sich nun die umgekehrte Dynamik: Da eine Verlagsgruppe gegen Amazon durchgehalten hat, können es auch die anderen wagen.

          Der Widerstand von Unternehmen, Buchhandel, Autoren und auch Politik hat sich also gelohnt. Amazons Zugeständnis kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem gerade Bundeswirtschaftsminister Gabriel eine schärfere Überprüfung der Verlagerung von Internetverkaufsaktivitäten in Niedrigsteuerländer ankündigte und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels durch eine Klage Amazon zur Einhaltung der Buchpreisbindung gezwungen hat. Eine Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen die Erpressungstaktik in den Verhandlungen mit Bonnier ist auch noch anhängig. Wenn jedoch von dieser Unbeugsamkeit kein Signal über die deutschen Grenzen hinaus ausgeht, dann hat Amazon noch nicht mehr verloren als ein Scharmützel.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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