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Romanrezension : In einem Niemandsland zu unserer Zeit

  • -Aktualisiert am

Ádám Bodor erzählt in seiem Roman „Die Vögel von Verhovina“ von einer ländlichen Besserungsanstalt.

          3 Min.

          „Zwei Wochen bevor mein Pflegevater, Brigadier Anatol Korkodus, verhaftet wurde, hatte er mir eine nagelneue Motorkettensäge von Stihl geschenkt. Er sagte, er habe sie in Czernowitz bestellt, das Paket sei bereits angekommen, es läge bei Edmund Pochoriles im Gasthof Zu den zwei Schnepfen. Ich könnte es am nächsten Morgen abholen auf dem Rückweg von der Bahnstation.“ So beginnt der neue Roman des ungarischen Schriftstellers Ádám Bodor, 2011 in Budapest erstmals erschienen und nun von der ungarischdeutschen Übersetzerin Timea Tankó ins Deutsche übertragen. Ort der Handlung ist eine armselige Siedlung namens Jablonska Poljana, irgendwo in Transsylvanien, im Dreiländereck von Ungarn, Rumänien und der Ukraine. Die Zeit ist ungewiss, irgendwann in Zeiten der Diktatur eines nicht benannten Herrschers. Was in dem Ort geschieht, ist von höchster Merkwürdigkeit. Der Icherzähler Adam muss einen Zögling aus einer Besserungsanstalt am Bahnhof abholen, um ihn in die bäuerliche Einrichtung des Brigadiers Korkodus zu bringen. Dieser will gefallene Kinder, die er persönlich aussucht, auf den Weg in ein richtiges Leben führen, um sie zu guten Menschen zu erziehen.

          Was sich hier im namenlosen und stummen Wald abspielt – denn alle Vögel sind längst ausgeflogen –, ist ein bizarres Treffen von verstockten, durchtriebenen, besoffenen, stummen, tauben, widerborstigen jungen Leuten, die alle unter dem Befehl des Brigadiers stehen. Woher der seine Macht nimmt, bleibt offen, man muss gehorchen oder fliegt wieder aus der Einrichtung und wird in die Welt zurückgeschickt.

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