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Abdel-Samads Buchpremiere : Einmal Islam, aber bitte ohne scharf!

  • -Aktualisiert am

Anfang April erscheint das neue Buch des deutsch-ägyptischen Publizisten Hamed Abdel-Samad. Es heißt „Der islamische Faschismus“. Im Berliner Gorki-Theater hat er es jetzt vorgestellt.

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          Der junge Mann, der am Eingang die Taschen der Gäste öffnen muss, entschuldigt sich. Eine ältere Dame sagt, nein, das sei schon in Ordnung, das verstehe sie. Hamed Abdel-Samad ist zur Vorstellung seines neuen Buches im Berliner Maxim-Gorki-Theater mit Polizeischutz gekommen. Nachdem der deutsch-ägyptische Publizist im Juni des vergangenen Jahres den Muslimbrüdern „islamischen Faschismus“ vorgeworfen hatte, wurde gegen ihn eine Fatwa verhängt, ein Aufruf, ihn zu ermorden. Am 1. April erscheint sein Buch, es heißt: „Der islamische Faschismus – eine Analyse“.

          Hamed Abdel-Samad lässt sich nicht einschüchtern. Seine drastisch klingende These, der Islam trage als Religion faschistoide Züge in sich, die im Islamismus deutlich würden, diskutiert er im Gorki-Theater mit dem Publizisten Jakob Augstein. Zuerst stellt Augstein einige Fragen zum Aufwärmen, Ägypten und Deutschland, die der Politologe Abdel-Samad kühl und pflichtschuldigst beantwortet. Dann geht es los. Augstein fragt, ob der Faschismusvorwurf wirklich dem Islam als solchem gelte oder nicht doch seinem radikalisierten Abkömmling, dem Islamismus.

          Abdel-Samad antwortet, anders als im Christentum sei das Streben nach politischer Macht im Islam selbst angelegt. Das liege auch daran, dass das Wirken Jesu Christi auf Erden zeitlich sehr begrenzt gewesen sei, weswegen er keine wirtschaftlichen oder juristischen Aufgaben habe übernehmen können. Der Prophet hingegen habe Zeit gehabt, zum Feldherrn zu werden.

          Vor lauter Zustimmungslust wird gejohlt

          Der Islam strebe die Weltherrschaft an. Zu seinen Grundgedanken gehöre der Anspruch, die Nationen zu einen, die Feinde zu besiegen und die Welt in Gläubige und Ungläubige zu teilen. Ob das mit der Weltherrschaft eigentlich im Koran stehe, will Augstein wissen und meint es gar nicht mal ironisch, und da legt Abdel-Samad richtig los. Er habe gedacht, Augstein habe den Koran gelesen?

          Dieser hatte zuvor eine religionsfreiheitsfreundliche Sure zitiert, aber nie behauptet, in Islamkunde bewandert zu sein. Das sei so typisch; man versuche sofort, das Ganze zu einer deutschen Debatte zu machen, Augstein sitze wie der Schiedsrichter vor der Dönerbude, der sich einen Islam bestelle, aber „bitte ohne Zwiebeln, ohne Tomaten und ohne scharf“. Das Publikum jault fast vor kontroverser Zustimmungslust, immer wieder wird die Diskussion von Zurufen unterbrochen.

          Leider werden die zwei Begrifflichkeiten, aus denen sich der Titel von Abdel-Samads Buch zusammensetzt, nicht klar. Weder versteht man, wie genau er Faschismus definiert – Augsteins Frage, ob er nicht eher so etwas wie „Totalitarismus“ meine, fegt Abdel-Samad beiseite –, noch wird klar, was „der Islam“ für ihn eigentlich ist. Meint er die islamische Theologie? Den Koran? Einen Gesamtgeisteszustand?

          Die Muslime jedenfalls meint er nicht, er habe auch nichts gegen Moscheebauten und freiwillig getragene Kopftücher. Eigentlich stellt Abdel-Samad zwei wichtige Grundforderungen, wobei er sich allerdings eines drastischen Vokabulars bedient: Die islamische Welt, auch die in Europa, müsse sich radikal säkularisieren, man müsse die totalitären Züge „neutralisieren“ und „entfernen“. Und es müsse möglich sein, Kritik gegenüber Muslimen zu formulieren, weil das davon zeuge, dass man sie ernst nehme und nicht paternalistisch über sie rede in der Hoffnung, ihnen nicht zu nahe zu treten.

          Als die Diskussion für das Publikum geöffnet wird, bemerkt eine junge Muslima, dass er dem Anliegen der islamischen Community eher schade, weil seine Bücher nicht so gelesen würden, wie er sie vielleicht meine. Abdel-Samad bemerkt, für ihn gebe es eine solche Community nicht, sondern nur Individuen. Der Publizist Henryk M. Broder, mit dem gemeinsam Abdel-Samad im ARD die satirische Deutschland-Safari „Entweder Broder“ unternommen hat, sitzt im Publikum und scheint sich über die Aufregung zu freuen. Wenn ihm eine Publikumsfrage zu rechtschaffen ist, schnalzt er missbilligend mit der Zunge, und als ein Gast nach der Rolle des Westens im Umgang mit der islamischen Welt fragt, schlägt er sich den Notizblock ins Gesicht.

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