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50 Jahre Deutscher Taschenbuchverlag : Das Ziel heißt Bildungshunger

Zum Zwanzigjährigen warb der Verlag selbstbewusst mit dem Slogan „Erfunden haben wir das Taschenbuch nicht – aber wir haben etwas daraus gemacht!“ Zum Fünfzigsten stellen sich jetzt andere Aufgaben. Nur vier Gesellschafter sind geblieben: C. H. Beck, Hanser, Oetinger und die Ganske Verlagsgruppe. Das sind bei weitem zu wenig, um damit rentabel ein Programm zu füllen. Bei der opulenten Jubiläumsfeier Ende Mai im Haus der Kunst durften achthundert Gäste viele Festreden und einen Verleger hören, der einen branchenuntypischen Satz spendierte: „Uns geht’s wirklich gut.“ Als größter konzernunabhängiger Verlag blicke dtv auf sechzehntausend Titel mit einer Druckgesamtauflage von 430 Millionen Exemplaren. Die Backlist, neben Suhrkamp die größte des Landes, verzeichnet fünftausend lieferbare Bücher.

Auch Floskeln wirken

Heinz Friedrich trat 1990 ab; es folgten fünf kurze Jahre mit Wolfram Göbel, dann kam 1996 aus Frankfurt Wolfgang Balk vom Fischer Taschenbuchverlag. Mit dem sonoren, stets unerschütterlich wirkenden Balk kam auch die Reihe dtv premium. Diese schrecklichste Floskel der Warenwelt, hier hat sie funktioniert. Mit der Positionierung des Softcovers auf dem Terrain des Hardcovers gelang es Balk nach mageren Jahren, viel Geld zu verdienen. Zuletzt betrug der Jahresumsatz 54 Millionen Euro, ein Rekord – zum überwiegenden Teil eingespielt auf dem Unterhaltungssektor. „Die Programmlinien haben sich verändert“, beschreibt der Verleger jenen anderen Umstand, in den viele Verlage geraten sind, um ihren Fortbestand zu sichern. Der Einsatz für dieses Segment bescherte den Münchnern Autoren wie Dora Heldt, die mehr als zwei Millionen Bücher verkauft hat, und Jussi Adler-Olsen (F.A.Z. vom 14. Juli). Der dänische Thrillerautor erreicht dieser Tage ebenfalls die Zwei-Millionen-Marke.

Das hilft, die wirtschaftliche Zukunft der 110 Mitarbeiter in der Friedrichstraße 1a zu sichern. Denn diesseits der Unterhaltungsautoren ist Balk eigentlich Autorenverleger, einer, der sich an neuer Literatur erfreut und der etablierten einen Heimathafen bietet. Grass, Lenz, Rosendorfer, Mosebach und demnächst Wolf Wondratschek sind mit allen ihren Büchern lieferbar. Ein Ausgabe der Werke und Briefe Mascha Kalékos ist in Vorbereitung. Solche ehrgeizigen Projekte treiben Wolfgang Balk um, inmitten der anbrandenden Digitalverunsicherung.

Rendite nur mit fünf Prozent des Programms

Denn dass das Taschenbuch im Massenmarkt – und auf dem tummeln sich in Deutschland nur fünf Wettbewerber – zunehmend unter Druck gerät, gilt als ausgemacht. Die amerikanische Hausfrau, so hört man allenthalben, lese ihre Thriller schon auf iPad, Kindle und Konsorten. Die Entwicklung zu ignorieren, sich gegen sie zu stemmen ist für einen Verlag wie dtv keine Option, selbst wenn sie in Deutschland wohl verspätet einsetzen und weniger dramatisch verlaufen wird als in den Vereinigten Staaten. Wolfgang Balk: „Hand aufs Herz: Wirklichen Lesespaß macht das nicht, das kann mir niemand weismachen.“ Sein basso continuo lautet: „Ich glaube an das gedruckte Buch.“

Für den Zweiundsechzigjährigen liegen die wahren Probleme der Branche woanders: Bücher seien viel zu billig. Im Vergleich zu vor fünfzig Jahren hätten viele Produkte Preissteigerungen von mehreren tausend Prozent erreicht, das Taschenbuch habe maximal tausend, das „gigantisch unterkalkulierte“ Hardcover höchstens hundert bis zweihundert Prozent erzielt. Dies sei bedrohlich in einem Markt, der seit Jahren nur die Konzentration auf das Spitzentitelmarketing und einen qualitativ verflachenden Buchhandel kennt. Nur mit fünf Prozent aller Titel macht der Deutsche Taschenbuchverlag Rendite. Der gefürchtete Hoffnungsträger E-Book trägt derzeit zum Umsatz ein Prozent bei. Das könne sich ändern, aber mehr als zwanzig Prozent traut Wolfgang Balk dieser Vertriebsform nicht zu. Die Verlegerei habe sich insgesamt verändert, meint er ohne Larmoyanz. Das Denken in Programmen, das er pflege, „verbietet sich heute“.

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