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Maigret-Marathon 9 : Das Treffen der Neufundlandfahrer

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.


          Kein klardenkender Mensch würde eine Neufundlandreise aussschlagen. Dass ich es vor ein paar Jahren getan habe, reut mich noch immer. Wenigstens bin ich bis nach Cape Breton gekommen, wo man, wenn der Wind günstig weht, nach Neufundland herüberspucken kann, und dann habe ich einmal im äußersten Norden Kanadas einen Mann getroffen, den es aus Neufundland dorthin verschlagen hat. Jetzt lebt er mit Frau und Kindern in einer Siedlung weit jenseits des Polarkreises, man kann dort Eisbären und Moschusochsen jagen, und falls man mal andere Menschen als die paar hundert unmittelbaren Nachbarn treffen will, gibt es zweimal pro Woche ein Flugzeug in den Süden. Übrigens kommen auch Simenons Neufundlandfahrer nicht nach Neufundland, und das ist noch nicht einmal das schlimmste, was ihnen widerfährt.

          Die Handlung in einem Satz: Der Kapitän eines Fischereischiffs aus Fécamp wird nach der Rückkehr ermordet, und der Hauptverdächtige hat Glück, dass sein alter Lehrer an ihn glaubt und ein Schulfreund Maigrets ist.


          Spielt in: Fécamp an der französischen Nordküste.


          Neues über Maigret: Der Kommissar „hat einen der höchsten Posten bei der Kriminalpolizei inne.“ Offenbar macht er gern Urlaub im Elsass, wo seine Frau herkommt und seine Schwägerin immer noch lebt.

          Konsum geistiger Getränke: Maigret bleibt beim Bier, wenn er nicht Calvados trinkt.

          Das heimliche Kajütenluder

          Allmählich nervt es: Wieder sind es hier die bösen Frauen, die mit ihrer Sinnlichkeit brave Männer zu Grunde richten, wenn sie sich etwa absurderweise an Bord des Fischerbootes begeben und heimlich in der Kapitänskajüte einsperren lassen. Selbstredend haben die braven Männer auch brave Frauen, die sie für das Luder (das man auch kopflos unschwer als solches erkennt) sofort verlassen würden, selbstredend bleibt am Ende in diesem Beziehungsgeflecht kein Stein auf dem anderen, aber ob es darum schade ist, wird nicht recht deutlich. Egal, viel lieber wüsste ich, wie genau Madame Maigret die unglückliche Verlobte des Hauptverdächtigen Le Clinche auf ihren langen Strandspaziergängen beruhigt: Erzählt sie aus ihrer eigenen Ehe, deutet sie an, dass auch der Kommissar ... Aber wer kennt sich schon bei der stillen Madame Maigret aus.

          Lieblingssatz: „Maigret vermied es, Le Clinche anzusehen, um ihn nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen.“

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