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Maigret-Marathon 74 : Der Spitzel

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass es die Brasserie Dauphine nicht gibt, ist so evident wie traurig. Immerhin erfahren wir hier, dass man aus dem einen Fenster auf die Seineschiffe schauen kann. Und dass sie zwei getrennte Räume aufweisen kann. Offensichtlich waren wir, als wir kürzlich gesucht haben, an der falschen Ecke unterwegs.

          Die Handlung in einem Satz: Nach dem Mord an einem Nachtklubbesitzer verhält sich die Witwe merkwürdig, und ein Spitzel liefert - anscheinend selbstlos - zutreffende Hinweise auf den Täter, was ihn in höchste Gefahr bringt.

          Spielt in: Paris und Bandol (bei Toulon).

          Neues über Maigret: Entwickelt er sich allmählich zum Snob? Er ersteigert schon mal eine Kiste Chateauneuf du pape. Und erkennt einen echten Chardin, wenn er ihn in einer Privatsammlung sieht.

          Und Frau Maigret? Offenbar ist die Ehe der Maigrets noch ein bisschen glücklicher als immer vermutet - dieser Roman spricht mit irritierender Häufigkeit von der Großartigkeit der Madame Maigret und davon, dass ihr Gatte davon auch weiß.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Pastis, Beaujolais.

          Und dann war es vorbei

          Außer den Maigrets lässt Simenon bekanntlich nicht allzu viel an Liebe gelten, und so ist er auch hier kräftig dabei, wenn es darum geht, ein ehebrecherisches Paar in seiner ganzen Erbärmlichkeit zu zeichnen. Natürlich hätten sie wissen können, dass das nicht gutgeht, jeder hätte das, aber das hätte ja bedeutet, Ruhe zu geben. Ein gutes Buch zu lesen. Sich an den erlesenen Kunstgegenständen zu freuen, über die beide frei verfügen konnten. Oder Erfüllung im Landleben zu finden. Selten hatte man so wenig Mitleid mit den Schuldigen wie in diesem Roman.

          Lieblingssatz: „Er hatte etwas Gewissensbisse, so auf Kosten der Steuerzahler in den Süden zu reisen, denn unbedingt nötig wäre es nicht gewesen.“

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