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Maigret-Marathon 72 : Die verrückte Witwe

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.


          Das so liebevoll geschilderte Beisammensein des Ehepaars Maigret dient schon seit längerem als Gegenmodell zu einer Welt, die von Kaltherzigkeit oder ungesunden Obsessionen beherrscht wird - so oder so ähnlich kann man sich Simenons erzählerisches Kalkül zusammenreimen, und in den meisten Romanen scheint das auch aufzugehen. Hier nun, wo unter den Verdächtigen beides eine unheilvolle Verbindung eingeht - Desinteresse an den Nächsten, Vernarrtheit in den Allernächsten -, deutet Simenon wieder en passant auf jenen schmerzlichen Punkt im Eheleben der Maigrets, der schon früher ins Blickfeld kam: Sie sind kinderlos und leiden darunter. Eine Sorge weniger, ein blinder Fleck mehr, so sah es dagegen der ebenfalls kinderlose Arno Schmidt.

          Die Handlung in einem Satz: Eine ältere Dame wendet sich an Maigret, weil irgendjemand in ihrer Abwesenheit das Mobiliar in ihrer Wohnung verstelle, und bevor der Kommissar sie befragen kann, wird sie tatsächlich ermordet, was ihm eine doppelte Verpflichtung zur Ermittlung ist.

          Spielt in: Paris und Toulon

          Neues über Maigret: Er isst gern Fricandeau à l'oseille.

          Und Frau Maigret? Wieder nichts.

          Konsum geistiger Getränke: Beaujolais. Calvados. Bier. Weißwein von der Loire. Rosé aus der Provence. Tom Collins.

          Das müssen Sie schon selbst entscheiden, mein Herr!

          Schuldig wird man ganz schnell, wenn man etwa, wie es Maigret hier nicht zum ersten Mal widerfährt, unter den vielen Spinnern, die sich besorgt an die Polizei wenden, den einen wirklich Bedrohten nicht zu erkennen mag. So fühlt sich Maigret der alten Dame verpflichtet, die ermordet wurde, während er den eigentlich schon beschlossenen Besuch bei ihr wieder aufgeschoben hatte. Wie er dann allerdings ihren Mörder ans Messer liefert (und ihn davor sogar noch warnt, wohl wissend, dass diese Warnung nichts fruchten würde), das hat schon Klasse.

          Lieblingssatz: „Der Kommissar verstand nichts von Popmusik, doch diese hier schien ihm auch nicht schlechter als die, die er manchmal im Radio oder Fernsehen hörte.“

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