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Maigret-Marathon 69 : Sein Jugendfreund

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.


          Wenn Maigret mit irgendeinem von denen zu tun hat, die ihn kannten, bevor er bei der Polizei in Paris Karriere machte, dann ist das eine unerfreuliche Begegnung - so jedenfalls war es bisher, und so ist es auch in dem 69. Roman, der Maigret gewidmet ist. Der Titel ist grob irreführend, denn dass die beiden geradewegs Freunde gewesen sein sollen, wird durch die Erinnerungen Maigrets mindestens in Frage gestellt. Und dann ist jener Léon Florentin auch noch ungeschickt genug, in einem erregten Moment das Andenken von Maigrets Vater zu besudeln - darauf, dass er Florentin trotzdem äußerst fair behandelt, kann sich Maigret etwas einbilden.

          Die Handlung in einem Satz: Ein ehemaliger Klassenkamerad kommt in Maigrets Büro, weil er in einem Mordfall der Hauptverdächtige ist und auf Verständnis hofft, was ihm zuteil wird, wenn auch anders als erwartet.

          Spielt in: Paris

          Neues über Maigret: Er hat, heißt es hier, nach der Schulzeit auf dem Gymnasium in Moulins keinen seiner Mitschüler mehr wiedergesehen: Nicht Crochet, den Notarssohn, der die Praxis seines Vaters übernehmen wollte, so wie „der sanftmütige, dickliche Orban“ Medizin studieren wollte.

          Und Frau Maigret? Nichts.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Sancerre, Rosé, Calvados, Himbeergeist, Cognac.

          Kein Herz für Hallodris

          Mancher amüsiert uns, den wir, übertreibt er es, später um nichts in der Welt mehr komisch finden mögen. Vom Ernstnehmen ganz zu schweigen. Weil wir uns weiter entwickelt haben, der andere aber nicht, wie es scheint. Oder weil sich nach all den Jahren die Dinge umgekehrt haben und der, der damals in den Augen der Welt weniger glänzend da stand, jetzt in der besseren Position ist. Kann man es Maigret verübeln, dass er auf seine bedächtige Art den Status quo verteidigen und kein Stückchen Terrain freigeben will? „Im Grunde ein Mensch, der nie zur Ruhe kommt, dachte Maigret. Die ewige komische Nummer war bloß Fassade, damit er sich nicht der jämmerlichen Wirklichkeit stellen musste. Er war ein Versager, wie er im Buche steht, ja - schlimmer, peinlicher - ein alternder Versager.“

          Lieblingssatz: „Sie sah die Welt durch ihre Türscheibe, und sie war ihr zutiefst verhaßt.“

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