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Maigret-Marathon 68 : Maigret zögert

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.


          Sei gut zu deinen Figuren, riet Peter Stamm unlängst in einem Beitrag für die „Neue Rundschau“ angehenden Schriftstellern. Von Simenon kann er das nicht haben. Der opfert hier unbedenklich die netteste Person weit und briet. Dass sie auch die normalste ist, macht die Sache nicht besser. Übrigens scheint auch Maigret an diesem Mord schwer zu tragen, jedenfalls beißt er aus lauter Kummer einen Pfeifenstiel durch.

          Die Handlung in einem Satz: Ein anonymer Brief warnt davor, dass demnächst irgendwo ein Mord geschehen werde, und als Maigret der Sache nachgeht, passiert wirklich einer.

          Spielt in: Paris, im piekfeinen 8. Arrondissement

          Neues über Maigret: Er trägt immer zwei Pfeifen bei sich, hasst es, zu warten, und hat einige Standardwerke der Psychologie gelesen. Von seiner früheren Genugtuung darüber, wenn er irgendwo erkannt wurde, ist nichts mehr geblieben - jetzt ist es ihm lästig.

          Und Frau Maigret? Angeblich stellt sie niemals Fragen. Ihr Mann dankt es ihr, indem er sie in diesem Roman glatt anlügt.

          Konsum geistiger Getränke: Pastis, Armagnac, Pouilly, Beaujolais, Bier, Cognac, Saint-Emillion. Schließlich hat Maigret seit seiner Vichy-Kur einiges nachzuholen.

          Im Haus der Windmacher

          Wenn sich der Absender eines anonymen Briefes schon durch die Wahl exquisitesten, mithin auch rarsten Papieres größte Mühe gibt, seine Identität gerade nicht zu verschleiern, dann ist etwas faul, weiß Maigret. Unangenehm ist ihm der Fall von Anfang an, hat er es doch darin mit äußerst vornehmen Herrschaften zu tun, deren Rückendeckung durch die Politik der Kommissar kennt und fürchtet. Gleichzeitig ist er fasziniert von jenem Zwerg, der ihm als Hausherr des künftigen Tatorts begegnet, jenem schwächlichen Spezialisten für Seerecht, der von seiner vitalen Frau offen verachtet, von seiner netten Sekretärin heimlich geliebt wird. Am Ende zeigt sich wieder mal, dass die Reichen gar nicht so anders sind, im Zweifel machen sie nur mehr Wind und sind ein bisschen verrückter. Kein Wunder, dass das Steckenpferd des Anwalts die Diskussion um den Paragraphen 64 des Gesetzbuches ist: Er hält fest, wann ein Täter als unzurechnungsfähig behandelt werden muss und damit auch straffrei ausgeht.

          Lieblingssatz: „Sein erster Kontakt mit dem Leben war wie an jedem Morgen der Kaffeeduft, dann die Hand seiner Frau, die seine Schulter berührte, und schließlich der Anblick von Madame Maigret, die bereits frisch und munter in einem geblümten Hauskleid vor ihm stand und ihm die Kaffeetasse hinhielt.“

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