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Maigret-Marathon 62 : Das Gespenst

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Was zunächst aussieht wie ein besonders undurchschaubarer Fall, marschiert in der zweiten Hälfte des Romans geradewegs auf ein erahnbares Ende zu. Eine Art kohärenten Altersstil nach immerhin 62 Büchern wird man kaum herauslesen können, und auch nicht, ob Simenon nun nicht mehr genau weiß, was er will, oder ob er ausprobiert, was alles geht. Der Wille zur Variation, was die Schauplätze angeht, die Milieus, die Menschen, teilt sich ja mit. Ob es aber ein besonderes ästhetisches Programm dieser Phase zu Beginn der sechziger Jahre gibt, das romanübergreifend wirksam wird, bleibt unklar.

          Die Handlung in einem Satz: Inspektor Lognon, der bekannte Unglücksrabe der Pariser Polizei, wird vor einem Haus angeschossen, in dem eine von ihm oft besuchte junge Frau wohnt, was unter seinen Kollegen ebensoviel Sorge um den Polizisten wie Erstaunen über die Eskapade des als grundsolide bekannten Mannes hervorruft.

          Spielt in: Paris.

          Neues über Maigret: Er muss sich, nach 28 Jahren bei der Polizei, bei seinen Vorgesetzten dafür rechtfertigen, dass er bei den Untersuchungen am liebsten persönlich dabei ist.

          Und Frau Maigret? Ist ganz verzückt, dass sie ihrem Mann bei diesem Fall helfen kann.

          Konsum geistiger Getränke: Grog, Loire-Wein, Likör, Scotch mit Soda, Bier, Cognac - vom Abstinenzvorhaben des vorigen Romans ist nicht mehr viel übrig.

          Ich sammele Menschen

          Diesmal geht es um ein Milieu, das Maigret eigentlich besonders fremd sein sollte: Er ermittelt im Haus eines schwerreichen Kunstsammlers, er sammelt Informationen bei einem Galeristen, er trifft einen Kunstkritiker, und man empfindet richtig mit ihm, wenn diese Snobs versuchen, ihn einzuschüchtern. Hätten wir mal mehr Vertrauen: Natürlich ist Maigret ihnen allen gewachsen, wie käme er sonst zu dieser wunderbaren Replik auf die Vermutung eines Verdächtigen, er könne das wohl alles nicht verstehen, er sei ja kein Sammler? Doch, sagt Maigret, er sammele Menschen.

          Lieblingssatz: „Hallo! Botschaft der Niederlande, guten Tag, flötete eine muntere, junge Stimme mit einem leichten Akzent, bei dem Maigret an die Windmühlen-Landschaften auf Kakaodosen denken musste.“

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