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Maigret-Marathon 59 : Der Samstagsklient

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Unschön, sehr unschön, der Fall, in dem Maigret hier ermittelt: Ein Mann erscheint regelmäßig im Kommissariat, um Maigret mitzuteilen, dass er seine Frau umbringen werde. Was sich dahinter verbirgt, ist nur noch trostloser. Und während dieses familiäre Elend hoffnungslos fort und fort geht, scheint es wenigstens bei den Pardons, den inzwischen sattsam bekannten Freunden der Maigrets, eine andere Wendung zu nehmen: Die Tochter erwartet ihr zweites Kind, und nichts deutet darauf hin, dass da irgendetwas im Argen läge.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann, der Maigret über seine Mordabsichten informiert, ist plötzlich verschwunden, und seine Frau und deren Liebhaber tun keinen Schritt, um ihre Verachtung für den Vermissten zu kaschieren.

          Spielt in: Paris, im 18. Arrondissement.

          Neues über Maigret: Fährt er vom Büro mit dem Bus nach Hause (was er gewöhnlich tut), dann steigt er an der Halterstelle Place du Châtelet zu.

          Und Frau Maigret? Genießt es, dass sie seit einem Monat zuhause fernsehen kann.

          Konsum geistiger Getränke: Schlehenwasser. Grog.

          Glücklich, ich? Da stimmt was nicht!

          Man sollte sich einmal mit den Opfern beschäftigen, die Simenons Romane bevölkern. Mit jenen, die leiden und dies zwar empörend, aber völlig in der Ordnung finden, deren Weltsicht darauf basiert, dass ihnen fortwährend Unrecht geschieht. Hier heißt das Opfer Planchon, er wurde mit einer Hasenscharte geboren, und von diesem Moment an, findet er, war die Sache eigentlich schon gelaufen. Frauen hat es für ihn sowieso nicht gegeben, und als er dann mal eine kennenlernt und die ihn sogar heiraten will, kann man die Uhr danach stellen, dass dieser kurze Ausreißer ins Glück wieder zurückgenommen wird, dass das Pendel wieder zurückschwingt, dass alles wieder in die gewohnte Unordnung kommt. Und das heißt hier: Ein Kind wird zwar geboren, dann aber ist Planchon der Gehörnte, der öffentlich Gedemütigte, der, dem zuhause das Schlafsofa zugewiesen wird, während sich der Liebhaber im Ehebett einnistet. Soweit, so schrecklich, noch finsterer ist, dass er sich das gefallen lässt und nicht, wie es alle von ihm erwarten, auf den Tisch haut und den Kerl hinauswirft. Dass er es nicht tut, ist ein neuerlicher Anlass zur Scham. Und natürlich mischt sich in das Mitleid mit ihm eine gehörige Portion Verwunderung. Am schlimmsten aber ist (und hier hört die Verwunderung auf), dass sich all dies vor den Augen und Ohren des Kindes vollzieht. Vielleicht ist das Thema „Kinder bei Maigret“ sogar noch ergiebiger.

          Lieblingssatz: „Sicher hätte eine Befragung der Kleinen einige interessante Erkenntnisse ergeben, aber wenn es nicht unbedingt nötig war, verhörte Maigret Kinder nur höchst ungern.“

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