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Maigret-Marathon 57 : Der faule Dieb

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass er mit den Dingen, wie sie seit einiger Zeit in Verbrechensangelegenheiten laufen, nicht recht zufrieden ist, daraus macht Maigret kein Hehl. Der Dienstweg, puh! Die schnöseligen jungen Staatsanwälte, bloß nicht! Der Papierkram, oje - jetzt muss man schon seine Taxifahrt selber bezahlen, wenn man dabei nicht zufällig einen Verbrecher dingfest macht. Was Maigret hier allerdings auf den allerletzten Seiten veranstaltet, um eine Zeugin zur massiven Unterschlagung von Diebesgut zu bewegen, das hat schon was.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann wird mit zerschmettertem Gesicht aufgefunden, und weil Maigret ihn als freundlichen Einbrecher kannte, klärt er, obwohl nicht zuständig, den Mord auf, ohne dass der Mörder zur Rechenschaft gezogen würde.

          Spielt in: Paris

          Neues über Maigret: Seit er verheiratet ist, hat er keinen Wecker mehr neben dem Bett stehen. Der Arzt Dr. Paul ist vor kurzem im Alter von 76 Jahren gestorben, zwei Jahre vor dem Termin von Maigrets Pensionierung.

          Und Frau Maigret? Nichts Neues.

          Konsum geistiger Getränke: Kirschwasser, Pflaumenschnaps, Beaujolais, Cognac, Himbeergeist, Schnaps, Grog.

          Sie möchten lieber nicht

          Geht das nicht ein bisschen weit? Bis ins Detail führt Simenon hier sein großes Projekt der Ähnlichkeit fort, in diesem Fall das zwischen Kommissar und Mordopfer. Was der unglückliche Dieb Cuendet mochte, ist auch Maigret nicht fremd, wie der Ermordete sich einrichtete, findet Maigrets Zustimmung, bietet sich Cuendet eine Hure an, dann lehnt er mit der selben Mimik ab wie offensichtlich der ebenso animierte Kommissar, und dass der den freundlichen Einbrecher sogar mochte, lässt diesen unter seinesgleichen herausragen - nur dass Maigret seinem Gegenüber keine Gerechtigkeit widerfahren lassen kann.

          Lieblingssatz: „Und musste er sich ohne diese bevorstehende Pensionierung, die ihm zuweilen bitter aufstieß, nicht völlig fremd fühlen in einer Welt, in der er endgültig den Anschluss verpasst hatte, an die er sich nicht mehr würde gewöhnen können?“

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