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Maigret-Marathon 44 : Die schrecklichen Kinder

Bild: Verlag

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Kinder, natürlich wieder Kinder, und hier machen sie sich sogar im Titel breit. Dies allerdings ist eine Zugabe der Übersetzer. Im Original heißt das Buch schön doppeldeutig „Maigret à l'école“. Und das trifft die Sache eigentlich sehr gut.

          Die Handlung in einem Satz: Eine alte Frau kommt in einem kleinen Dörfchen ums Leben, und als Maigret anreist, um den Verdächtigen rauszuhauen, schlägt ihm der gesamte Missmut der Bevölkerung entgegen.

          Spielt in: Paris und Saint-André im Département Charente-Maritime

          Neues über Maigret: Mit 7 Jahren wünschte sich Maigret, Ministrant zu werden, zwei Jahre später ging der Wunsch in Erfüllung.

          Und Frau Maigret? Hat es wieder nicht leid. Irgendwie vergisst ihr Mann, sie anzurufen, als er zur Recherche an die Atlantikküste fährt.

          Konsum geistiger Getränke: Pernod, Cognac, Weißwein, Obstler, Calvados.

          Austern? Nicht um diese Zeit!

          Warum sind wir eigentlich unterwegs? Natürlich gibt es objektive Gründe. In diesem Fall: Da soll ein offensichtlich Unschuldiger ins Gefängnis, nur weil man ihn im Dorf als Zugezogenen nicht mag und obendrein jeder um die unglückselige, längst begrabene Affäre seiner Frau mit einem anderen weiß. Eigentlich aber schwingt in der Erwähnung jenes Dorfes an der Atlantikküste unweit von La Rochelle für Maigret ein Hauch von Weißwein und Austern mit.

          Die Hoffnung wird sich für ihn nicht erfüllen, zunächst, weil es keine Austern gibt, dann aber auch, weil ihn - wie selten kommt das vor! - auf einmal vor dem Trinken und den Betrunkenen graust. Denn alle lassen sich hier volllaufen, am Ende wird ein massiv Verdächtiger sogar extra abgefüllt, damit der Kommissar ihn nicht vernehmen kann. Kein Wunder, dass diese beängstigend ruhigen, klugen Kinder einspringen, dass sie aus Solidarität mit den Eltern, aber aus eigenem Recht die Dinge in staunenswerter Konsequenz in die Hand nehmen. Ob sich Maigret nach diesem Fall immer noch so sehr eigene Kinder wünscht, bleibt offen. Klar ist immerhin, dass er sie künftig etwas anders sehen wird.

          Lieblingssatz: „Maigret war so verlegen wie jemand, der ahnungslos ein Haus betritt, in dem sich ein Toter befindet, den er zu Lebzeiten nicht gekannt hat und der nicht weiß, was er sagen soll.“

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