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Maigret-Marathon 37 : Maigret als möblierter Herr

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Ob ich mich daran noch gewöhne? Nach 36 Romanen, deren Kapitel immer hübsch sparsam mit „1“, „2“ oder ähnlichem überschrieben waren, lese ich hier „Wie Maigret einen Abend als Strohwitwer verbringt und schließlich im Cochin-Krankenhaus landet“ oder „Wie Maigret sich eine Menge Notizen macht, um Arbeit vorzutäuschen, und Madame Clément sich nicht immer wohlwollend zeigt“ und dergleichen mehr. Ja ja, schon recht, eine weitere Ebene, um Lesererwartungen zu erzeugen und gleichzeitig zu unterlaufen - aber muss das sein? Und geht das jetzt in den nächsten 38 Romanen so weiter?

          Die Handlung in einem Satz: Maigrets zweitliebster Inspektor wird angeschossen, und um den Fall aufzuklären, quartiert sich Maigret in der Pension ein, die jener Inspektor überwacht hatte.

          Spielt in: Paris, Rue Lhomond

          Neues über Maigret: Er verabscheut Likör, hätte gern einen Sohn gehabt und benutzt als Notizbuch eine Art Moleskine.

          Und Frau Maigret? Sie mag keine Schnecken (ihr Mann schon). Ihre Schwester heißt (hier) Hortense
          Konsum geistiger Getränke: Calvados, Likör (Chartreuse), Zwetschgenwasser, Weißwein (ständig; auch schon mal 4 Gläser vor neun Uhr morgens), Bier..

          Das große Ablenkungsmanöver

          Viel kann man über dieses Buch nicht schreiben, ohne das Entscheidende zu verraten. Nur soviel: Ja, die Dinge sind anders, als sie scheinen, und die erste Hälfte des Buches entpuppt sich aus der Rückschau als bloßes Dekor des eigentlichen Falles. Ein Ablenkungsmanöver, wenn man so will, aber ein ausgesprochen sinnvoll eingesetztes: das leichte, fast komödiantisches Spiegelbild zu jenem anderen, das am Ende die größere Wucht und Tragik aufweist. Zwei Häuser, zwei Conciergen, zwei verborgene Herren - und, wie es scheint, ein schon viel zu geschwätziger Leser.

          Lieblingssatz: „Die Concierge des Hauses gegenüber, Madame Keller, tat ihr Möglichstes, um dem Kommissar zu helfen, doch sie war eine jener quirligen kleinen Frauen, die spontan drauflosreden und, wenn sie einmal genau sein wollen, alles durcheinanderbringen.“

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