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Maigret-Marathon 34 : Madame Maigrets Freundin

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Großer Grotefend! Sein „Taschenbuch der Zeitrechnung“, ursprünglich erschienen im Herbst 1898, ist eines der allernützlichsten Nachschlagewerke, die ich kenne. Angewandt auf diesen Roman heißt das: Simenon liefert uns eine Menge Daten, die jeweils Tag, Monat und Wochentag umfassen, verschweigt aber das Jahr. Immerhin gibt er einen Hinweis: Wenn dabei der 22. Februar auf einen Donnerstag, der 10. März aber auf einen Sonntag fällt, muss es sich um ein Schaltjahr handeln. Das schränkt die Suche immerhin ein. Derart munitioniert, schlägt man Seite 135 des „Grotefend“ auf und sucht in der Tafel II unter dem 10. März den dazugehörigen „Sonntagsbuchstaben“: in diesem Fall das „F“. Da es sich um ein Schaltjahr handelt, muss in der Tabelle I auf Seite 134 ein Jahr mit (ausnahmsweise) zwei Sonntagsbuchstaben gesucht werden, dessen zweiter ein F ist. Nach allem, war wir über Maigret wissen, dürfte das gesuchte Schaltjahr irgendwo zwischen 1920 und 1950 liegen. Das Ergebnis ist eindeutig: 1940. Großer Grotefend! (die 14. Auflage von 1986 ist noch lieferbar und kostet 17,90 Euro.)

          Die Handlung in einem Satz: Im Ofen eines Buchbinders werden Menschenzähne gefunden, aber weil der Beschuldigte eisern schweigt, braucht es eine Zufallsbegegnung im Zahnarztwartezimmer und die Hilfe Madame Maigrets, damit der Kommissar den Fall aufklären kann.

          Spielt in: Paris und Concarneau.

          Neues über Maigret: Er träumt von einer Wohnung an der Place de Vosges. Mit Anfang 20 arbeitete er für die Fremdenpolizei. Wenn es ihm gut geht, singt er in der Badewanne.

          Und Frau Maigret? Die hat sonst so gut wie nie Zahnprobleme, erfahren wir, hier aber eben doch. Sie wird als „rundlich“ beschrieben und führt ein Album, in das sie alle Zeitungsausschnitte einklebt, die die Arbeit ihres Mannes betreffen. Diesmal aber landet sie selbst auf der Titelseite.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Pflaumenschnaps, Weißwein, Marc.

          Zähne zeigen

          Eine nette Pointe ist die Nebenhandlung in Concarneau. Dort löste Maigret einst den Fall um den „Gelben Hund“ (siehe: Maigret-Marathon 6: Der gelbe Hund), heute teilt ihm sein Inspektor mit, er logiere dort im Gasthaus zum Gelben Hund. Ansonsten ist es ein Roman der Zähne: Sie sind, als Überreste im Ofen, das einzige Indiz, das gegen den flämischen Buchbinder spricht; sie sind, da sie schmerzen, der Grund für Madame Maigret, zum Zahnarzt zu gehen und dort von einer völlig Unbekannten zum Hüten eines Zweijährigen genötigt zu werden; und schließlich nimmt der Flame beim Verhör mit souveräner Geste sein eigenes Gebiss heraus, um es den Polizisten zu zeigen. Selten einen so melancholischen Hauptverdächtigen gesehen. In der Untersuchungshaft nutzt er die Zeit zur Proust-Lektüre. Seine Frau, eine Ex-Prostituierte, hat die „Recherche“ schon durch.

          Lieblingssatz: „Hatten Sie getrunken?“ - „Höchstens zwei, drei Gläschen.“

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