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Maigret-Marathon 29 : Maigret und sein Toter

Bild: Verlag

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Lauter alte Bekannte: Hinweise auf frühere Fälle, Anekdoten, die man sich im Polizeipräsidium erzählt, und als solche auch leicht entstellt - selbst der allererste „Maigret“ wird dort zitiert, als staunenswertes Beispiel einer harten Recherche in Wind und Regen. Dass die Sache ihren Haken hat, liegt auf der Hand, und so würde man die auch hier auftretenden chronologischen Unstimmigkeiten gern dem Stille-Post-Effekt der mündlichen Überlieferung zuschreiben: Denn dass Maigret, damals 45 Jahre alt, fünfzehn Jahre nach dem Fall von „Pietr, dem Letten“ immer noch im Dienst ist, kann ausweislich der anderen Romane nicht sein. Die besondere Pointe aber ist, dass der einzige konkrete Hinweis auf Maigrets Vergangenheit gar nichts mit seiner Tätigkeit als Kommissar zu tun hat und ihm in diesem Fall also gar nicht weiter hilft, obwohl ständig davon die Rede ist, dass eine gewisse Nine Maigret einst gekannt hätte - und man nach immerhin 28 Romanen dann schon in den Notizen kramt, ob sich da nicht die eine oder andere Nine findet ...

          Die Handlung in einem Satz: Ein aufgeregter Anrufer bittet Maigret um Hilfe, weil man ihm auf den Fersen sei, um ihn zu ermorden, und als er dann wirklich wenig später erstochen aufgefunden ist, nimmt Maigret die Sache sehr persönlich.

          Spielt in: Paris und Bercy.

          Neues über Maigret: Wenn er nach Hause kommt, schaut er immer als erstes in die Töpfe auf dem Herd. Er wohnt mit seiner Frau seit 30 Jahren in derselben Wohnung und schaut aus dem Fenster auf eine Leuchtreklame: „Lhoste & Pépin - Feinmechanik“.

          Und Frau Maigret? Telefoniert nicht gern. Ihre Schwester Odette riecht immer nach Calvados und besucht die Maigrets zwei- bis dreimal im Jahr.

          Konsum geistiger Getränke: Bier. Calvados. Kaffee mit Schnaps. Beaujolais. Genever. Rum. Grog. Suze.

          Ein Kinderfreund

          Was hier zusammenprallt, ist äußerste Harmlosigkeit und große Brutalität, vermittelt durch einen geleckten Kriminellen, der die Killer auf das ewig fröhliche Opfer hetzt. Die Geschichte um eine Mörderbande aus Osteuropa, die gemeinsam in einem schäbigen Hotel haust und auf Raubzug geht, wenn das Geld nicht mehr für Essen und Champagner reicht, strotzt so sehr vor Stereotypen, dass man für jeden individuellen Zug dankbar ist, der sich in diese Schilderung mischt. Und wieder einmal lohnt es sich darauf zu achten, was Simenon mit den Kindern anfängt, die sich in die Fälle verirren: Am eindrucksvollsten ist hier die einzige Überlebende einer Mordbrennerei, die Unsägliches ansehen musste - und ein Neugeborenes, für das Maigret am Ende einen Ort findet, weil er die Mutter aufs Schafott bringen wird.

          Lieblingssatz: „Trotz allem, was er ihr über ihre Patientin enthüllt hatte, sah sie ihn immer noch vorwurfsvoll an.“

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