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Maigret Marathon 16 : Der Verrückte von Bergerac

Bild: Natascha Vlahovic

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          Wer beim Zugfahren nicht manchmal den Impuls hat, unterwegs auszusteigen, um hinzukommen, wo man noch niemals war, der fährt entweder durch überaus reizlose Gegenden oder besitzt keinen Funken Phantasie. Meist lässt man es dann bleiben, und wenn, wartet man wenigstens einen Bahnhof ab. Im Licht dieses Romans ist das ein guter Entschluss. Aber auch ein langweiliger.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Reisender springt aus dem Zug, Maigret springt hinterher, und weil er angeschossen und sogar für einen irren Mörder gehalten wird, muss Frau Maigret kommen und die Dinge richten.

          Spielt in: Bergerac und im Zug dorthin.

          Neues über Maigret: Seine Lieblingstageszeit ist 9 Uhr morgens, und er war in seinem Leben kaum einmal ernsthaft verletzt.

          Und Frau Maigret? Hat hier ihren bislang größten Auftritt: Eigentlich ist sie bei ihrer Schwester im Elsass, die kurz vor der Entbindung steht (das dritte Kind in vier Jahren), nun eilt sie nach Bergerac, um ihren angeschossenen Mann zu pflegen. Sie hat keine Kinder und leidet darunter.

          Konsum geistiger Getränke: Im Speisewagen Bordeaux und zwei Cognac. Danach, auf dem Krankenlager, höchstens ein paar verbotene Biere.

          Morden, um den Ruf zu wahren

          Was hat ihn bloß so ruiniert? Der irre Mörder, soviel klärt sich am Ende auf, wird eben wahnsinnig, einfach so, nachdem er Jahre höchst erfolgreich als Paßfälscher gearbeitet hatte. Jetzt muss er eben Frauen verfolgen, umbringen und ihnen danach eine Nadel ins Herz rammen. Dafür wird er dann erschossen, von einem, der sich in der kleinen Stadt Bergerac nicht von ihm kompromittieren lassen will, und der schon alles mögliche versucht hat, um seinen Ruf zu wahren. Es geht einigermaßen holzschnittartig in diesem Roman zu, von den Stereotypen ganz zu schweigen, die Simenon hier gern über Juden verbreitet, und dass es dem Autor anfangs selbst nicht klar zu sein scheint, auf welcher Seite Maigret nun von der Kugel getroffen wurde, macht die Sache nicht besser. Schön allerdings, wie hier Kinder, erwünschte wie unerwünschte oder versagte, die Verdächtigen, die Schuldigen und die Ermittler ganz leise miteinander verbinden.

          Lieblingssatz: „Es wäre dumm, hier ganz allein in der Nacht zu sterben, ohne zu wissen, wo er ist, während sein Gepäck ohne ihn weiterreist.“

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