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Buchvorstellung in Frankfurt : Ihr Wort in Helmut Kohls Ohr

Maike Kohl-Richter, die Altkanzler-Flüsterin Bild: Reuters

Bei der Vorstellung von Helmut Kohls neuem Buch beschwor dessen Gattin gestern die Geheimnislosigkeit des Geschehens. Tatsächlich aber flüsterte Maike Kohl-Richter unentwegt auf ihren Mann ein.

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          Gestern nachmittag im Ballsaal der Frankfurter Villa Kennedy: Helmut Kohl stellt sein neues Buch „Aus Sorge um Europa“ vor. Nicht angekündigt war die Vorstellung hinter der Vorstellung, die, für alle sichtbar, auf der Vorderbühne gegeben wurde. Dort wurde das Stück „Zwischen Hilfe und Bevormundung: Wird Helmut Kohl von seiner Frau Maike Kohl-Richter fremdgesteuert?“ inszeniert. Dafür, dass dieses Stück als solches verstanden wurde, hat Maike Kohl-Richter selbst gesorgt.

          In ihrer Regie war vorgesehen, dass sie, gleichsam als Leseanleitung der Buchvorstellung, zu Beginn das Wort ergriff und erklärte, über ihren Mann und sie werde ja viel geschrieben, weniges davon stimme, das meiste sei falsch, und deshalb hoffe sie, dass man sich jetzt selbst ein Bild machen könne, „ohne Geheimnisse und ohne Mikros, von denen wir glauben, sie seien nicht an“.

          Im Ballsaal spielte sich naturgemäß alles ohne versteckte Mikrofone ab, auch das Rotlicht der Kameras war gut zu sehen, eine Urszene öffentlicher Transparenz sozusagen, und so war die überfallartige Beschwörung der Geheimnislosigkeit das eigentlich Geheimnisvolle dieser Einlassung, welche nun freilich das Augenmerk der Journalisten gleichsam in Überschärfe auf die Oberfläche richtete, ganz nach dem Motto: Believe what you see.

          You see what you believe

          Und das erste, was da ins Auge sprang, war eben der handfeste performative Widerspruch: Um den Nachweis zu erbringen, dass ihr Mann selbst das Steuer in Händen hielt, griff Maike Kohl-Richter ihm ins Steuer, noch bevor er überhaupt ein Wort sagen konnte, und funktionierte die Buchvorstellung mit zwei, drei Sätzen zur Entkräftung der Bevormundungsthese um. Allein der weitere Verlauf der Veranstaltung führte zu der erkenntniskritischen Einsicht, dass eben doch gilt: You see what you believe.

          Denn was man auf der Bühne zwischen Kohl und seiner Frau sah, war mitnichten selbsterklärend. Wenn sie, rechts neben Kohl auf dem Podium sitzend, ihren linken Arm ein ums andere Mal um den Hals ihres Mannes regelrecht schlang und, sein Ohr, das sie hat, zu sich herunterziehend, ihm immer aufs Neue, vielleicht ein Dutzend Mal, irgendwelche Sachen ins Ohr flüsterte (während Jean-Claude Juncker versuchte, seine Laudatio zu halten), ihr Mann sie dabei jedes Mal verständnisvoll anschaute, nur einmal milde lächelnd den Kopf schüttelte, dann konnte das vom Turteln bis zur Gehirnwäsche alles Mögliche bedeuten. Der Augenschein indes gab nur die eine Deutung her: Dieser Mann wird von seiner Frau einfach nicht in Ruhe gelassen.

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