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Großes ẞ : Ein Buchstabe mit Integrationsproblemen

  • -Aktualisiert am

2017 wurde das große ß (ẞ) eingeführt. Bisher hat es sich nicht durchgesetzt – Kritiker bemängeln, dass es sich nur schwer von seinem kleinen Pendant unterscheiden lässt. Bild: dpa

Seit einem Jahr gibt es das ß als Großbuchstaben. Durchgesetzt hat es sich noch nicht. Auch beim Hersteller des Spieleklassikers „Scrabble“ zögert man. Warum?

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          Vor einem Jahr hat der Rechtschreibrat die Einführung eines ß-Großbuchstabens beschlossen. Der Streit um das neue Zeichen ist noch lange nicht zu Ende. Wenn der Ruf eines Buchstabens von seinem Wert beim Scrabble abhinge, könnte sich das scharfe S beziehungsweise SZ etwas einbilden. Vor kurzem hat die Firma Mattel, die den Spieleklassiker vertreibt, erstmals einen eigenen Buchstabenstein für das große SZ präsentiert. Er bringt, wo er zum Einsatz kommt, sechs Punkte; einen höheren Wert haben nur X, Y, Ö und Q. Ob und wann die im Handel erhältlichen Scrabble-Ausführungen serienmäßig um den neuen Stein ergänzt werden, will der Hersteller noch nicht verraten.

          Die Entscheidung des Rechtschreibrats, der mit der Bewahrung und Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung betraut ist, sorgt nunmehr „für die korrekte Rechtschreibung von Eigennamen in Pässen und Ausweisen. Ob sich der Gebrauch des großen ß durchsetzen wird, wenn die Spieleabende zu Ende sind, steht dahin. Im Duden heißt es, der Großbuchstabensatz sehe „traditionellerweise“ SS für ß vor, „fakultativ“ könne aber auch ein großes ß verwendet werden, also FUẞBALL statt FUSSBALL.

          Friedrich Forssman, einem der renommiertesten deutschen Typographen und Buchgestalter, verursacht die Umstellung Unbehagen. Aus seiner Werkstatt stammt das Erscheinungsbild der revidierten Lutherbibel, daneben ist er unter anderem für das überarbeitete Reclam-Design und die Walter-Benjamin-Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag verantwortlich. Über das große ß sagt er: „Ich mag es nicht. Meine Abneigung gegen den Buchstaben bezieht sich vor allem auf seine Unerwartetheit.“ Er befürchtet, dass sich die Irritation auch mit zunehmender Gewöhnung nicht verflüchtigt und das große ß vielmehr ein „Daueranlass zum schiefen Grinsen“ bleibt. Als Typograph müsse er der „Hüter des Lesevorgangs“ sein, der Irritationen zu vermeiden sucht, um „tiefes Lesen“ zu ermöglichen, ein Versenken in den Inhalt, bei dem alle bewusste Formwahrnehmung in den Hintergrund tritt. Hier aber sei das große ß ein Lesehindernis.

          Wo die Rechtschreibräte den alltäglichen Nutzen sehen, erblickt er die ästhetische Provokation. Wer dann aber einmal näher betrachtet, was der Computer ausspuckt, wenn man die Shift-, AltGr- und ß-Taste gleichzeitig drückt, muss zugeben: Das große ß wirkt seltsam klein geblieben. Was stört, ist eine gewisse Unentschlossenheit, als wäre es noch nicht ausgewachsen – der Oskar Matzerath des deutschen Alphabets sozusagen. Auf Twitter wurde bemerkt, es sehe aus wie eine sich übergebende Drei oder eine Drei „mit Saugnapf am Boden“. Tatsächlich ist das ß oder „Dreierles-S“, wie man im Schwäbischen sagt, ein deutscher Sonderling, aufgrund seiner Form international bisweilen „German B“ genannt.

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