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Buchrezension : Keine Spur von Populismus

  • -Aktualisiert am

Rechtsanwalt Ingo Lenßen hat ein neues Buch veröffentlicht. Das Bild zeigt ihn bei seiner TV-Sendung „Lenßen klaert auf“. Bild: obs

Die Gerichte verlieren das Leid der Opfer aus dem Blick: Ingo Lenßen kritisiert aktuelle Tendenzen der Strafjustiz

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          Zwei Männer pöbeln in einem Bus Fahrgäste an. Der Busfahrer will die beiden Randalierer hinauswerfen. Es kommt zu einer Rangelei, bei der dem Busfahrer ein Messer in den Rücken gestochen wird. Der Busfahrer überlebt, ist aber so stark traumatisiert, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Das Landgericht Berlin verurteilt die beiden Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen von drei beziehungsweise dreieinhalb Jahren. Das Gesetz hätte Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren zugelassen. Wären die Angeklagten zudem wegen versuchten Totschlags verurteilt worden, hätte die mögliche Höchststrafe sogar fünfzehn Jahre betragen.

          An das Urteil schließt sich eine heftige öffentliche Auseinandersetzung an. Die Vorsitzende der Vereinigung Berliner Staatsanwälte hält die Strafe angesichts der Brutalität und Gefährlichkeit der Tat für zu niedrig. Die Berliner Strafverteidiger werfen ihr daraufhin populistische Stimmungsmache vor, und auch der Vorsitzende des Berliner Richterbundes warnt vor Urteilsschelten auf Stammtischniveau. Aber ist es wirklich bloßes Stammtischgerede, wenn Befremden darüber geäußert wird, dass ein Messerstich in den Rücken des Opfers nicht einmal eine Sanktion in der Mitte des Strafrahmens nach sich zieht?

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