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Buchpreis für Eugen Ruge : Jenseits typischer Denkmuster

  • -Aktualisiert am

Eugen Ruge, hier auf der Buchmesse 2011 und bereits mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Bild: dapd

Der Deutsche Buchpreis für Eugen Ruge ist eine mutige Entscheidung. Von einer Wahl jenseits typischer Denkmuster und Urteilsfindungen.

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          Dass, wie man im Englischen sagt, der frühe Vogel den Wurm bekommt, mag im Garten stimmen - in der Landschaft der Literatur ist das eher ungewöhnlich. So gesehen, ist die doppelte Preisverleihung an Eugen Ruge geeignet, ganze Schriftstellerseminare in den Wahnsinn zu treiben: Aspektepreis für das beste Debüt und Deutscher Buchpreis für den besten Roman, beides in einem Jahr? Gilt denn die klassische Laufbahnbeschreibung nicht mehr, nach der man mit zwanzig den ersten Lyrikband (im Selbstverlag? egal) abzuliefern hätte, dann schön langsam bei den diversen Erzählungswettbewerben ein Stipendium nach dem anderen einheimst, von Wiepersdorf bis Otterndorf und vielleicht sogar nach Sylt, einen Roman nach dem anderen publiziert, bis die Hand ausgeschrieben und die Vernetzung im Betrieb perfekt ist?

          Auf höhere Weihen, so schien es, muss man warten, bis man sie sich mit der Produktion von Papiergebirgen erschrieben hat, statt sich als Debütant mit dem Deutschen Buchpreis eine Auszeichnung zu schnappen, die dem Geehrten in den meisten Jahren neben Ruhm auch höchste Verkaufszahlen einbrachte. Prämiert wurden anfangs Autoren, die literarische Qualität nicht mit Unzugänglichkeit erkauften. Und die Geschichten von elementarer Wucht auf eine Weise erzählten, die literarischen Kriterien mühelos standhält.

          Dies geriet in den letzten beiden Jahren in Vergessenheit, und der Preis nahm Schaden. Auch deshalb ist die Auszeichnung für Ruge ein Signal, was der Deutsche Buchpreis soll und was er kann. Zwei Lehren lassen sich aus der Preisverleihung am vergangenen Montagabend ableiten, als ein sympathisch unvorbereiteter Ruge ausgezeichnet worden ist. Die eine: Wer meint, ein reifes Werk braucht einen Vorlauf unreifer Texte, irrt - und auch, wer sich als Kritiker einen Eindruck eines aktuellen Buches einzig über die Backlist des Autors verschaffen will, statt den Roman ganz altmodisch zu lesen. Und zweitens: Dass es auch bei ungeschriebenen Büchern so etwas gibt wie einen Reifeprozess.

          Zwanzig Jahre, sagt Ruge, hat er an „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gearbeitet, und so ist dieser Aspekte-Preisträger, dieser Debütant, keine zwanzig oder dreißig mehr, sondern 57 Jahre alt. Der Jury ist es hoch anzurechnen, dass sie die Aufgabe ernst nahm, den besten Roman zu küren, und eben kein Lebenswerk. Obwohl die Sache hier möglicherweise auf eins hinausläuft.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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