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Buchmessen-Umfrage : Verleger spüren den Aufschwung

  • Aktualisiert am

Bleibt man sich auch auf der Messe fremd? Bild: dpa/dpaweb

Deutlich mehr Kunden, bessere Aufträge: Die deutschen Verlage zeigen sich auf der Frankfurter Buchmesse zufrieden. Kritik üben sie an der mangelnden Integration des arabischen Gastlandes auf der Messe.

          2 Min.

          Einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung spüren die Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. Die Stimmung sei eindeutig besser als im vergangenen Jahr, sagten mehrere Verlagssprecher in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

          Der Buchmessen-Schwerpunkt „Arabische Welt“ spielte allerdings nur für Verlage eine Rolle, die auch Bücher zum Thema in ihrem Angebot haben. Zudem finden viele Verlagsleute, daß die Schwerpunkt-Veranstaltungen auf der Messe entgegen der von vielen Seiten geäußerten Hoffnung keinen wirklichen Dialog mit den arabischen Ländern in Gang bringen können.

          „Nicht grundlos optimistisch“

          „Wir zählen deutlich mehr Kunden und haben bessere Aufträge, was ungewöhnlich ist, weil die Messe dazu eigentlich nicht dient“, sagt der Marketingverlagsleiter bei Droemer Knaur, Klaus Kluge. Gaby Callenberg von Kiepenheuer & Witsch faßt die Stimmung in die Worte „Wir sind nicht grundlos optimistisch“. Vor allem die Ankündigung des neuen Romans von Gabriel García Márquez habe kräftig für Aufträge gesorgt. „Wir erwarten ein gutes Weihnachtsgeschäft.“

          Sehr zufrieden ist auch Verleger Christoph Links (Berlin). Das Messegeschäft laufe gut, und dank des Arabien-Schwerpunktes gebe es sogar Interesse von arabischen Verlegern an seinen Büchern. „Die Buchbranche erholt sich, wenn auch nur langsam“, sagt Verleger Manuel Herder. Für ihn verbreitet die Branche auf der Buchmesse Aufbruchstimmung. „Die Umsätze ziehen an.“

          Seit Monaten erfolgsverwöhnt

          Der Fischer-Verlag ist nach Worten von Sprecherin Petra Baumann-Zink seit Monaten erfolgsverwöhnt. „Dabei finde ich es besonders schön, daß auch wieder deutschsprachige Autoren wie Thomas Brussig mit großen Romanen auf dem Markt sind.“ Vom Ehrengast „Arabische Welt“ ist Herder sehr angetan. „Viele Menschen bleiben stehen und merken, daß sie sich bislang mit diesen Ländern nicht genügend beschäftigt haben.“

          Etliche seiner Kollegen sind allerdings enttäuscht von der Umsetzung des Schwerpunkts. „Ich hätte mir das Herangehen an das Thema ganz anders gewünscht“, sagt etwa die Sprecherin des Aufbau Verlags, Barbara Stang. „Der Schwerpunkt wurde ausgegrenzt statt in die übrigen Hallen einbezogen. Man hätte die Diskussionsforen mitten in den Hallen statt so weit abseits plazieren sollen - warum nicht in jeder Halle ein arabisches Forum? So stehen sich die Menschen hier genauso fremd gegenüber wie sonst auch.“

          „Etwas lieblos“

          Enttäuscht zeigt sich Stang auch vom Desinteresse vieler Politiker auf der Messe: „Von denen hat bei uns keiner nach dem arabischen Schwerpunkt gefragt.“ Die Stangs Ansicht nach „etwas lieblos gemachte“ Arabien-Präsentation beschränke sich zu sehr auf Folklore, es gehe zu wenig um Inhaltliches. Leider seien die Diskussionsforen zudem fast nur von Arabern besucht, ist Stangs Beobachtung.

          Auch Suhrkamp-Sprecher Thomas Sparr teilt diesen Eindruck: „Daß die arabischen Foren so schlecht besucht sind, ist ein Jammer. Die Devise hätte lauten sollen: Nicht separieren, sondern integrieren.“ Eichborn-Programmleiter Matthias Bischoff bezweifelt ebenfalls, daß die Buchmesse den Dialog zwischen westlicher und islamischer Welt fördern kann. Das sei aber bei fast allen Gastländern bisher so gewesen: „Bleiben tut von der Aufmerksamkeit während der Buchmesse immer recht wenig.“ Das können Bücher seiner Meinung nach gar nicht leisten: „Man überfrachtet Literatur, wenn sie dazu beitragen soll, daß sich die Völker lieb haben und nicht die Köpfe einschlagen. Ich traue Büchern nicht zu, daß sie zu einem besseren Miteinander führen. Man sollte Schriftsteller nicht auf den Aspekt Völkerverständigung reduzieren.“

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