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Frankfurter Buchmesse : Eine überfällige Entscheidung

Bilder aus einer anderen Zeit: Andrang am Eröffnungstag der Frankfurter Buchmesse 2016 Bild: Picture-Alliance

Die Entscheidung, zur Frankfurter Buchmesse im Oktober die Hallen geschlossen zu halten, war überfällig. Was die Veranstalter stattdessen anbieten, überzeugt nicht jeden. Doch vielleicht hat die Sache auch ihr Gutes.

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          Ein besonderes Händchen für Öffentlichkeitsarbeit würde man der Frankfurter Buchmesse mit Blick auf das – zugegeben: schwierige – vergangene halbe Jahr derzeit nicht unterstellen. Unvergessen die Pressemitteilung über die Zusammenarbeit mit den großen Konzernverlagen, die dann einen Tag später ihre Teilnahme als Aussteller absagten, oder die wiederum seitens der Messe kurzfristig abgesagte Pressekonferenz, als die Pläne durchgesickert waren, im Herbst 2021 die Buchmesse im gleichen Moment wie die Musikmesse abzuhalten, samt internationalem Kreativwirtschaftskongress und dergleichen mehr. Vor allem aber wirkte die Messe mit einer Reihe von neuen, bisweilen schwammigen Konzepten nicht gestaltend, sondern getrieben. Kunststück, könnte man einwenden, im Umgang mit Corona war die Messe da nicht allein, zumal ja selbst die Experten das Bild, das sie von der Epidemie und den dagegen notwendigen Maßnahmen zeichneten, immer wieder mit neuen Zügen versahen. Und schließlich haben auch die Literaturfestivals in Leipzig und Köln ihre Absagen lange herausgezögert.

          „Lebendig, agil und anpassungsfähig“ sei Frankfurts Buchmesse eben, so kommentierte Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die neueste Ankündigung der Messe, nun gar keine Aussteller mehr in die Hallen zu lassen und statt dessen lediglich in der Festhalle und in Frankfurts Innenstadt Live-Veranstaltungen durchzuführen. Daran seien coronabedingte Reisebeschränkungen sowie die neue Quarantäneverordnung schuld, teilte die Messe mit. Allerdings war schon zuvor von einem dramatischen Rückgang der Ausstellerzahlen die Rede gewesen, Schätzungen gingen von zehn Prozent der sonst üblichen Menge aus, und die Frage, ob sich das Hallenöffnen und die Hygienemaßnahmen wirtschaftlich überhaupt lohnten, stand unübersehbar im Raum. Oder die, mit welchen Verlagen man es zu tun bekommen würde, wenn doch alle großen zuhause bleiben oder sich an Gemeinschaftsständen zusammenfinden würden.

          Vielleicht hat die Sache so auch ihr Gutes: Feixende Extremisten müssen nun auf die erhoffte größere Aufmerksamkeit verzichten. Nur dass eine Buchmesse ohne Aussteller eine traurige Sache zu werden verspricht, und das tapfere Beharren der Messe auf das „stimmige virtuelle Gesamtkonzept“, das an die Stelle der physischen Präsenz trete, überzeugt nicht jeden. Der Schritt aber, die Hallen zu schließen, war überfällig. Bleibt zu hoffen, dass dies die letzte Änderungsmeldung zur diesjährigen Messe war.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

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