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Deutscher Buchpreis : Inger-Maria Mahlke gewinnt in schwachem Finalisten-Jahrgang

Strahlende Preisträgerin: Inger-Maria Mahlke Bild: Helmut Fricke

Mit ihrem Roman „Archipel“ gewinnt Inger-Maria Mahlke den Deutschen Buchpreis 2018. Die Entscheidung zeigt eine Schwäche, die Autorin Geistesgegenwart.

          Was sagt die Verleihung des diesjährigen Deutschen Buchpreises an Inger-Maria Mahlke aus? Zunächst einmal, dass es kein starker Finalisten-Jahrgang war. Was nicht an der aktuellen Literatur generell lag, sondern an den zuletzt noch ausgewählten Titeln. Schon auf der Longlist hatten ein Solitär wie „Schattenfroh“ von Michael Lentz oder Publikumslieblinge mit hohem literarischen Anspruch wie Daniel Kehlmanns „Tyll“ und Robert Seethalers „Das Feld“ gefehlt. Arno Geigers faszinierende Kriegsschilderung „Unter der Drachenwand“ wurde dann ebenso auf dem Weg zur Shortlist ausgesiebt wie Gianna Molinaris Debütroman „Hier ist noch alles möglich“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Die verbliebenen sechs Titel vor der Entscheidung an diesem Montagabend im Frankfurter Römer hatten als gemeinsamen Nenner dann historische Stoffe und zentrale Handlungsorte außerhalb Deutschlands. Jedes Buch für sich mag seine Berechtigung auf der Shortlist gehabt haben; als Kombination wirkte das halbe Dutzend eintönig und somit einfallslos. Das trifft nicht sie, sondern die Jury. „Eigentlich ist alles daran gegenwärtig“, sagte deren Vorsitzende Christine Lötscher über die nominierten Titel. Auch so kann man etwaige Unterschiede einebnen.

          Deshalb gab es auch noch nie zuvor unter Prognostikern so wenig Einigkeit über den favorisierten Roman. Für Nino Haratischwilis „Die Katze und der General“ sprach, dass eine andere Buchpreis-Jury vor vier Jahren ihr Meisterwerk „Das achte Leben (für Brilka)“ übersehen hatte und es im Buchpreiskontext also etwas gutzumachen galt. Für Susanne Röckels „Der Vogelgott“  sprach der Jung-und-Jung-Bonus -  kein anderer Kleinverlag hat so zuverlässig Autoren auf der Shortlist plazieren können wie das Salzburger Haus, und 2012 trug dessen Autorin Ursula Krechel sogar den Sieg davon (sie hätte das dieses Jahr mit „Geisterbahn“ wieder verdient gehabt).

          Mehr Glück als in den letzten beiden Jahren

          Für Stephan Thome standen vor „Gott der Barbaren“ schon zwei weitere Shortlist-Nominierungen zu Buche (bei insgesamt nur vier Romanen dieses Autors); konnte man ihn denn ein drittes Mal im Finale scheitern lassen? Für Maxim Billers „Sechs Koffer“ sprach der Wirbel, den Maxim Biller nun einmal zuverlässig verspricht, für Maria Cecilia Barbettas „Nachtleuchten“ der Wirbel, den der S.-Fischer-Verlag im Vorfeld veranstaltete, und für Inger-Maria Mahlkes „Archipel“ die seiner Autorin vorab immer wieder bescheinigte Rolle einer literarisch brillanten Außenseiterin im Buchpreis-Rennen. Solche Kandidatinnen hatten ja schon häufig gewonnen: Terézia Mora etwa, Ursula Krechel, Katharina Hacker oder Kathrin Schmidt. Nun diesmal Inger-Maria Mahlke.

          Die Verleihung selbst krankt von Jahr zu Jahr mehr an ihrer Formelhaftigkeit. Man lauscht den Begrüßungen und der Moderation von Cécile Schortmann noch einigermaßen, man erduldet die bemüht verkünstelten Porträtfilmchen zu den Büchern der Nominierten („Dafür hat sich die Deutsche Welle wieder voll ins Zeug gelegt“, so Schortmann), bis es dann endlich nach mehr als fünfzig Minuten, die man lieber zur Lektüre welcher Bücher auch immer verwenden würde, zu den zehn einzig wirklich spannenden Sekunden der Preisverkündung kommt, der Verkündigung des Siegertitels, und wenn dann das obligatorische Jauchzen und etwas leisere Aufstöhnen der jeweiligen Sympathisanten im Kaisersaal verstummt ist, muss man das Glück haben, dass der Gewinner rhetorisch begabt genug ist, um den Augenblick seines Triumphs nicht zur bloßen Selbstdarstellung verkommen zu lassen.

          In den letzten beiden Jahren (mit den Siegern Bodo Kirchhoff und Robert Menasse) hatte man da wenig Glück; 2018 wird in besserer Erinnerung bleiben. „Ich bin gerade etwas überfordert“, sagte Inger-Maria Mahlke, hatte sich angeblich nichts als Dankesrede überlegt und dankte aber dann vor allem Barbara Laugwitz, der gerade erst von Rowohlt geschassten Verlegerin, deren Ablösung in den letzten Wochen zahlreiche Autoren des Hauses massiv kritisiert hatten. Und sie wolle allen danken, so Mahlke, „die wissen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Büchern und Joghurt“. Was das aussagt über den Stand unserer Literatur? Mehr wohl über den Zustand der Unzufriedenheit bei Rowohlt im Kleinen und bei der Holtzbrinck-Verlagsgruppe im Ganzen.

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