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Dave Eggers „The Circle“ : Die aktuelle schöne neue Welt

  • -Aktualisiert am

Dieses Gebäude ist nicht das Hauptquartier von „The Circle“, sondern der Entwurf von Apples neuer Unternehmenszentrale Bild: Archiv

Im Roman ist schon gelungen, woran die Internetgiganten des Silicon Valley heute noch arbeiten, die totale Datenkontrolle. Dave Eggers entführt in „The Circle“ die Leser in ein Unternehmen, aus dem es kein Entrinnen gibt.

          Maebelline ist 24 Jahre alt, als sie begreift, wie viel Zeit ihres Lebens sie vergeudet hat. Das Verbrechen wurde nicht nur ihr persönlich angetan. Ihre stupide Arbeit im Gebäude 3B-Ost der Stadtwerke von San Vincenzo war vielmehr eine Verschwendung menschlicher Potentiale und Verrat am gesellschaftlichen Fortschritt. Aber auch eine Lehre. Sie könne ihr Schicksal nun in die eigene Hand nehmen, das verstand sie bereits am ersten Tag bei „The Circle“, ihrem neuen Arbeitgeber, einem Technologiegiganten des Silicon Valley, der sich die Welt unterworfen hatte und mächtiger wurde als Google, Facebook und Twitter in Summe.

          Das zeigte zumindest der Börsenwert des Unternehmens, das seinen Vorsprung einer einzelnen Idee verdankt. „The Circle“ war gelungen, woran Google und Facebook im Wettstreit miteinander tatsächlich arbeiten: die Verknüpfung von search und social. Dave Eggers lässt in seinem Roman „The Circle“ Tayler „Ty“ Alexander Gospodinov den Funken im Datenfusionsreaktor zünden. Mit dem „Unified Operating System“, das dieser im Alleingang entwickelte, stieß er das Tor zur nächsten Gesellschaft auf. Alles, was fortan durch Tys Hand geschah, war welterschütternd, lebensverändernd und fünfzig Jahre voraus.

          Ohne „TruYou“-Account hat das Internet keinen Sinn

          Seine Maschine zwang er niemandem auf, er machte nur die Benutzung des Internets ohne „TruYou“-Account mühsam, zeitaufwendig und teuer. Die Erfindung setzte zudem einen Geist frei, der sich des Wichtigsten annahm: des Aufbrechens des feudalen Verhältnisses zwischen Produzenten und Konsumenten, der Entstehung würdevollen Wohnens in den ärmsten Ländern, der kartographischen Erkundung des Marianengrabens.

          Für all das hatte Ty seine Leute. Die wirtschaftliche Verantwortung des Unternehmens übertrug er rechtzeitig vor Börsengang den Geschäftsleuten Eamon Bailey und Tom Stenton. Neben dem weltgewandten Visionär und dem gewissenhaften Analysten blieb Ty allerdings der Kopf der drei Weisen. Er wurde eine unscheinbare Legende. Womit er ein einzigartiges Privileg genoss. Die Anonymität aller anderen hatte er abgeschafft.

          Dave Eggers spielt in seinem neuen Roman „The Circle“ mit der Nähe zur Wirklichkeit

          Eggers formte für die Erzählung nicht nur seine Figuren nach wahren Vorbildern. Womit er nicht der Erste ist, doch so vielfältig wie bei ihm sind die Leihgaben aus der kalifornischen Wirklichkeit selten. Der Campus, den der Leser mit Mae erkundet, ist ein seltsam vertrauter Ort. Er erinnert an die Lobpreisungen der beliebtesten Arbeitgeber der Welt, eine Liste, die die Technologiegiganten anführen. Bei Eggers allerdings schwingt der Zweifel von Beginn an mit. Die digitale neue Welt hat eine totale Ideologie im Schlepptau, die nicht nur diejenigen betrifft, die sich per Arbeitsvertrag mit ihr einverstanden erklären.

          Geheimnisse werden Lügen, Privatsphäre wird Erlebnisdiebstahl, medizinische Sonden stecken in allen Körpern, Bildschirme an Handgelenken, Milliarden von Kameras wurden in der Welt verteilt, an jede Person und auf jede gerichtet. Technisch übertreibt es Dave Eggers nur an einer Stelle. Seine Silicon-Valley-Forscher haben mit einem neuen Batterietyp die Stromprobleme der digitalen Anhängsel behoben.

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