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Literaturnobelpreis : Warum Bob Dylan nicht gewinnen wird

Noch wartet er im Hintergrund: Kurz nach dieser Aufnahme hat Bob Dylan Ende Mai 2012 im Weißen Haus von Barack Obama die Presidential Medal of Freedom verliehen bekommen. Auf den Nobelpreis wird er wohl ewig warten Bild: Reuters

Kurz vor der Verleihung rätselt die ganze Welt, wer diesmal den Literaturnobelpreis erhalten wird. Es gibt klare Favoriten - und populäre Autoren, die bei Lichte betrachtet aber wohl doch nicht in Frage kommen.

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          Am Donnerstag um 13 Uhr wird Bob Dylan wieder nicht den Literaturnobelpreis gewonnen haben. Seit Jahren wird er als Mitfavorit gehandelt, doch bei den britischen Buchmachern, unter deren heißen Kandidaten sich in den letzten Jahren immer die späteren Gewinner fanden, ist Dylan krasser Außenseiter. Zu Recht, denn egal, für wie gut man seine Liedtexte, für die er ja den Preis bekäme, auch hält – das implizite Zugeständnis, dass man keinen Schriftsteller gefunden hätte, den man für besser hielte als Dylan, wäre doch wohl eine von der Jury selbst als Bankrotterklärung der Literatur empfundene Entscheidung.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Einmal gab es die sogar schon, aber das ist mittlerweile lange her: 1997 beim Nobelpreis für den italienischen Autor Dario Fo. Damit zeichnete man einen zweifellos berühmten Dramatiker (oder meinethalben Komödianten) aus, aber keinen großen Schriftsteller. Seitdem konnte man über manche Entscheidung streiten, unbegreiflich war keine mehr. Der Preis für Dylan wäre es – wie auch für einen gern genannten anderen Grenzgänger zwischen den Literaturen, den Comiczeichner Art Spiegelman, der mit „Maus“ zweifellos ein Jahrhundertwerk geschrieben hat. Aber es bleibt eben ein Comic, und allem Gerede von Graphic Novel (also gezeichnetem Roman) zum Trotz ist das nicht das Gleiche wie Literatur. Wie auch ein Lied nicht.

          Die politische Dimension

          Die derzeit am höchsten eingeschätzten Kandidaten heißen wie seit schon seit einigen Jahren Haruki Murakami und Ngugi Wa Thiong’o. Der Japaner und der Kenianer haben aber jeweils ein Sprachproblem. Murakami muss damit leben, dass 2012 der Chinese Yo Ma den Literaturnobelpreis erhielt. Normalerweise ist damit ein bestimmter Sprachraum, selbst wenn er so unterschiedlich ist wie China und Japan, erst einmal ein paar Jahre lang aus dem Rennen. Und das gilt auch für Thiong’o, der seit langem auf Englisch publiziert (wenn auch stets Romane, die in Afrika spielen), und erst im vergangenen Jahr war mit Alice Munro eine englisch schreibende Kanadierin dran. Ob das allerdings den unbezweifelbaren Bonus ausräumen kann, dass seit Wole Soyinka 1986 kein Schwarzafrikaner mehr gewonnen hat, wird man sehen. Mir scheint Thiong’o jedenfalls gegenüber Murakami klar im Vorteil.

          Dann sind da politisch sehr wünschenswerte Autoren wie die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch, die 2013 schon den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gewann und allemal eine großartige Nobelpreisträgerin wäre, weil ihre Gespräche mit Bewohnern des zerfallenden sowjetischen Imperiums literarische Montagekunstwerke sind. Mit Adonis hätte man einen vielgelesenen Lyriker aus Syrien, der vor allem in Europa sein Publikum hat, während Assia Djebar aus Algerien oder Nawal El Saadawi aus Ägypten mehr politische Aktivistinnen als literarische Superstars sind.

          Oder gibt es doch ein Leck?

          Plötzlich wird aber auch auf Patrick Modiano hoch gewettet, und ein solcher Aufstieg aus dem Quotennichts bis in die erweiterte Spitze der Buchmacherfavoriten war schon einmal zu beobachten: 2009 bei Herta Müller. Die gegenwärtig recht guten Quoten für Peter Handke muss man dagegen nicht ernstnehmen, denn die letzte deutschsprachige Gewinnerin liegt eben erst fünf Jahre zurück, und Handke hat wegen seines Serbien-Engagements zu viele politische Gegner, gerade in Skandinavien, wie sich erst kürzlich wieder bei der Verleihung des Ibsen-Preises gezeigt hat. Diese Debatte wird die Nobelpreis-Jury nicht neu entfesselt sehen wollen.

          Was wir dagegen gern endlich einmal sähen, wäre der Triumph eines verdienten Kandidaten, den die Buchmacher gar nicht auf der Rechnung haben: Vladimir Sorokin zum Beispiel oder Julian Barnes. Aber darauf werden wir wohl lange warten müssen. Die Nobelpreis-Jury ist offensichtlich nicht so schwer auszurechnen, dass sie die Masse der Wettlustigen überraschen könnte. Oder – was schon lange vermutet wird – es gibt Lecks, durch die die so streng geheimgehaltene Information, wessen Name am Donnerstag um 13 Uhr verkündet wird, doch verfrüht durchsickert.

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