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PeterLicht : Das Sosein der Welt verstehen

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Hinter Rauch: Peter Licht mit Zigarette nach dem Abendessen. Hinter Kamera: Tom Müller, Blumenbar- und „Lob der Realität“-Lektor Bild: Felix-Emeric Tota

Zur Frankfurter Buchmesse erscheint PeterLichts Doppelprojekt „Lob der Realität“: ein Live-Album und ein Buch. Der Künstler selbst erscheint zum Abendessen: ein Gespräch über Koteletts und Kunst.

          „Ich meine das alles schon ernst“, sagt PeterLicht beim Verlagsabendessen von Aufbau und Blumenbar im Frankfurter Westend. Im mediterranen Restaurant haben sich Autoren und Verleger um die zwei Tische versammelt und sprechen mit den eingeladenen Journalisten über die Wahl des Hauptgangs. Es macht sich Freude breit, nach dem Messetag endlich sitzen zu können. Zur Auswahl stehen Fisch und Ochsenfleisch. Das Fleisch ist die richtige Wahl, dazu gibt es die größeren Messer.

          „Ich möchte gar nicht in einer ironischen Haltung zu meinen Liedern oder Texten stehen“. sagt PeterLicht. Kunst mit Ironie zu machen sei bloß ein mutloser Schritt, um am Ende bequem auf der richtigen Seite zu stehen. „Das passiert viel zu oft“, sagt er und sticht entschlossen in die Beilage. Seine Arbeit ohne Ironie zu verrichten - dieser Mut sei die Bedingung, um wirklich hinter seinen Werken zu stehen.

          Als ihm das pflastersteingroße Stück Fleisch auf dem Teller serviert wird, fängt er an zu lächeln und erzählt von Lömmi, einem in seiner Wahlheimat Köln weltberühmten Gastwirt. „Lömmis Philosophie bestand darin, dass der Laden seit 1959 nicht renoviert werden durfte und dass du da die dicksten Koteletts der Welt bekommen hast. Es kam dir vor, als wären die einen Meter dick. Ich war gerne da.“

          Der Name „Joy Division“ fällt mehrere Male an dem Abend. Der Name Helene Fischer allerdings auch. Beim Thema Popmusik wird deutlich: PeterLicht ist ein Mensch, der die Gegebenheiten der Welt verstehen will. Für ihn ist einer der Reize am „Kunstmachen“, dem Verstandenen eine Form zu geben. In moderner Popmusik könne man sehen, wie gewisse Züge der Gesellschaft funktionierten und wo genau das Interesse stecke.

          Wie jeder andere

          Mit ihm zu sprechen ist wie das Anschauen eines Kippbilds. Wenn er über seine Kunstfigur spricht, dann erkennt man sie durchaus, die Ernsthaftigkeit, mit der er seine Kunst macht. Und wenn ihm dann die Gabel auf den Boden fällt, sieht er aus wie jeder andere. Auf beiden Ebenen herrscht angenehme Unaufdringlichkeit.

          In seiner neuen Kurztextsammlung „Lob der Realität“ gibt es eine Szene, in der die Frage „Was machen Sie eigentlich beruflich?“ an einen Künstler gestellt wird. PeterLicht fängt bei dieser Frage an zu lachen. Er ist Musiker, schreibt Texte und Theaterstücke. „Wenn ich eine Klarheit, ein klar abgestecktes Feld darüber haben wollte, was ich mache, dann wäre ich Beamter geworden.“

          Das Wichtige sei doch das, was am Ende steht, sagt er und sieht sich nach seinem Wasserglas um: Er sei nur der, der es gemacht hat. Dadurch, dass er von Anfang an das Produkt in den Vordergrund gestellt hat, wurde seine persönliche Zurückhaltung mit der Zeit zum Selbstläufer: „Auf einmal war ich PeterLicht, der sein Gesicht nicht zeigt“.

          Auf Konzerten zeigt PeterLicht sein Gesicht seit Jahren, nur auf veröffentlichten Fotos sah er keine Notwendigkeit dafür. Auf seinen Pressebildern war sein Gesicht bisher stets kunstvoll verdeckt. Trotz der nun ersten Interviews vor laufender Kamera wird er aber vermutlich nicht von seiner alten Bildidee ablassen. „Diese Bilder zeigen viel präziser, wie ich bin, als jedes Frontalporträt es je könnte“, sagt er lebhaft. Der legendäre Bürostuhl, der ihn im Videoclip zu „Sonnendeck“ 2001 gedoublet hat, steht übrigens immer noch bei ihm im Keller.

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