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Literaturmuseen : Wenn der Neubau das Denkmal in den Schatten stellt

  • -Aktualisiert am

Zwischen Erweiterung und Erneuerung: das Buddenbrookhaus in Lübeck Bild: Picture-Alliance

Frankfurt wird ein Romantikmuseum neben sein Goethehaus bauen, Lübeck will das Buddenbrookhaus erweitern: Hier wie da drohen die Denkmäler nur noch Anhängsel der Neubauten zu sein.

          Es bleibt dabei: Frankfurts Romantikmuseum ist ein sinnvolles Vorhaben - aber die architektonische Umsetzung könnte grässlich misslingen. Im Juni dieses Jahres nämlich endete der Wettbewerb für ein neues Museum samt Wohntrakt neben dem Goethehaus mit drei zweiten Preisen - und der Forderung an die Gewinner, ihre Entwürfe zu überarbeiten. Staab Architekten aus Berlin und die Büros von Michael Landes sowie Christoph Mäckler taten es. Doch keiner so, dass die Jury einen Sieger hätte nennen können. Stattdessen beschloss man nun, Mäckler und Landes gemeinsam am Großen Hirschgraben bauen zu lassen.

          Besondere Aufmerksamkeit erregte der Wettbewerb in Lübeck. Denn dort trägt man sich mit ähnlichen Plänen: Das Buddenbrookhaus mit seinem Thomas und Heinrich Mann-Zentrum braucht mehr Raum. Ein glücklicher Zufall fügte es, dass das Nachbarhaus wegen Leerstand angekauft werden konnte. So präsentierte einen Tag nach dem Frankfurter Entscheid die Leiterin des Buddenbrookhauses, Birte Lipinski, Vorstudien zur Erweiterung ihres Hauses. Drei Varianten stehen an, eine mit kleinen architektonischen Eingriffen, eine mit größeren und eine mit Teilabriss und Neubau.

          Zwei Bürgerhäuser - was will man mehr, wenn es darum geht, Besuchern die Lebens- und Schaffenswelt der Manns zu präsentieren? „Hole mich der Teufel, was ist das für eine Reise durch euer Haus, Buddenbrook!“ Mit diesem Ausruf des Weinhändlers Köppen endet bei Thomas Mann zu Anfang des Romans ein Rundgang anlässlich des Festessens der Buddenbrooks zum Kauf ihres Hauses. Wie die Gäste der Familie kennt nun auch der Leser das Anwesen von der „weiten hallenden Diele“ bis hin zu den hinteren Speichern, wo vom „höchsten Boden ein Tau zum Hinaufwinden der Kornsäcke herabhing“. Bild und Atmosphäre des Hauses sind ihm zu Synonymen bürgerlichen Lebens geworden. Sie bleiben es auch nach der Lektüre - lebenslang.

          Italienisch anmutende Szenerie

          Ebendeshalb strömen noch heute täglich Besucher zu Lübecks Mengstraße 4, durchschreiten das herrliche Rundbogenportal mit dem „Dominus providebit“, und wiederholen vielem treppauf treppab Weinhändler Koeppens „was ist das für eine Reise!“ Letzteres aber soll künftig vermieden werden: Birte Lipinski möchte 2018 ein großzügiges Doppelhaus eröffnen, barrierefrei, mit besucherfreundlichem Parcours und museumstechnisch auf dem neuesten Stand. Die Wirklichkeit sieht derzeit anders aus: die Geschosshöhen beider Häuser differieren, ihr in den fünfziger Jahren entstandenes Inneres ist labyrinthisch.

          Also gilt es, aus bürgerlichem Gewinkel ein weiträumiges Museum zu machen - doch ohne Verlust der bürgerlichen Atmosphäre. „Wasch den Pelz mir, doch mache mich nicht nass“: Diesem Dilemma steht auch Frankfurt gegenüber. Denn dort obliegt es Michael Landes, unter dem Namen „Goethehöfe“ 35 neue „hochwertige“ Wohnungen zu schaffen, zusätzlich das vorhandene denkmalgeschützte Frankfurter Volkstheater zu sanieren und beides schonend in einen vorhandenen Innenhof einzupassen. Christoph Mäckler wird das Museum bauen, das als direkter Nachbar auf die Maße und Erscheinung des Goethehauses Rücksicht nehmen, andrerseits harmonisch an die Straßenfront der Wohnbauten anschließen und außerdem einen hocheffizienten Museumsbetrieb gewährleisten soll.

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