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Junge Lektoren im Gespräch : Neu, jung, ideal

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Tom Müller (Blumenbar, l.), Lina Muzur (Hanser), Sandra Heinrici (Kiepenheuer&Witsch) und Anvar Cukoski (Berlin Verlag) Bild: Jens Gyarmaty

In den Verlagen hat sich ein Generationenwechsel vollzogen. Die Achtziger-Jahrgänge sind an den Schaltstellen der deutschsprachigen Literatur angekommen: Ein Gespräch mit vier jungen Lektoren.

          4 Min.

          Buchpreisgeplänkel zu Beginn. Abgleich von falschen Erwartungen, Favoriten, verlorenen Wetten. Heitere Stimmung, noch nicht alle kennen sich, sind aber sofort beim „Du“. Alle vier, Sandra Heinrici (Kiwi), Lina Muzur (Hanser), Anvar Cukoski (Berlin Verlag) und Tom Müller (Blumenbar), bewegen sich mit größter Selbstverständlichkeit im Medium Literaturbetrieb. Messevorfreude.

          Was erwartet ihr von dieser Messe?

          A.C.: Was sich alle erwarten: nette Begegnungen. Geschäftlich ist die Messe eigentlich schon gelaufen; die meisten Verträge sind längst unterschrieben.

          S.H.: Genau. Bei der Messe geht es vor allem um die Abendgestaltung.

          Lektoren als Partyluder?

          T.M.: Im Gegenteil. Unsere Generation meint es sehr, sehr ernst, will es aber nicht so aussehen lassen.

          L.M.: Wenn man die Älteren hört, behaupten die zwar immer, früher sei alles viel wilder gewesen. Aber das kannst du doch sowieso vergessen.

          T.M.: Och, wenn ich mir so den einen oder anderen anschaue, glaube ich das schon. Da haben ein paar alles mitgenommen.

          Geschäftlich ist die Messe vorbei, bevor sie begonnen hat?

          S.H.: Ich dachte früher, man darf nicht von der Messe wegfahren, ohne das eine große Ding in der Tasche zu haben. Aber das passiert alles vorher.

          A.C.: Außer im internationalen Bereich, der funktioniert noch einmal anders.

          L.M.: Unsere Arbeit auf der Messe liegt jenseits von Vertragsabschlüssen: Menschen miteinander verbinden, das Überraschende herausfordern. Aufmerksam zu sein, wenn zwei sich sehen und da vielleicht eine großartige Idee aufkeimt. Da passiert auf der Messe ganz viel.

          Ihr seid alle vier Anfang der achtziger Jahre geboren, habt eine vergleichbare Berufsausbildung hinter euch. Empfindet ihr euch als eine Generation junger Lektoren?

          T.M.: Als ich gestern Abend auf der Buchpreisverleihung stand, dachte ich schon: Mit euch allen hier habe ich nicht viel gemein. Außer der Literatur. Keineswegs abwertend. Nur der Eindruck war klar, dass man selbst anders ist.

          S.H.: So war das für mich bei meinem ersten Klagenfurt-Aufenthalt. Da gab es eine klar sichtbare, jüngere Generation sowohl unter Lektoren als auch unter Agenten. Wer nicht schon fünfzehnmal in den Wörthersee gesprungen ist, gehörte nicht dazu.

          Erfahrt ihr offen ausgetragene Konflikte?

          T.M.: Nein. Aber es gibt schon eine Grenze, über die hinaus erst einmal kein Weg führt.

          L.M.: Wohlwollende Distanz, aber der Abstand bleibt deutlich.

          A.C.: In den Verlagen gibt es einen definierten Raum, in dem man sich bewegen kann. Oder in dem man sich bewegen muss. Der Auftrag, der damit verbunden ist, kommt schon klar an: Arbeite so, dass ich erkenne, was für einen Literaturbegriff du hast. Mach mal.

          Seht ihr es als eure Aufgabe an, einer neuen literarischen Generation eine Stimme zu verleihen?

          S.H: Vollkommen klar. Auf Autoren wie Vea Kaiser oder Stefanie de Velasco springe ich sofort an. Solche Bücher will ich machen, weil deren eigener immer auch mein Ton ist.

          T.M.: Das ist aber nicht vom Alter der Autoren abhängig. Mich beeindruckt, wenn etwas ganz anders klingt als das, was ich kenne.

          A.C.: Auf die Rolle „Junger Debütantenlektor“ würde ich mich nicht festlegen lassen wollen. Das wäre mir zu wenig.

          S.H.: Nicht nur, aber doch unbedingt auch.

          L.M.: Bei Hanser spielt das überhaupt keine Rolle. Es geht doch um gute Literatur, nicht um Trends. Unterschwellig gibt es schon die Erwartung, dass ich die jungen, brillanten, am besten noch großartig aussehenden Autorinnen an Land ziehe. Aber ich will mich nicht reindrängen lassen in die Rolle.

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