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Juan Moreno beim „Spiegel“ : Was für eine großartige Geschichte!

Juan Moreno, hier bei der Vorstellung seines Buchs „Tausend Zeilen Lüge“ Ende September in Berlin. Bild: EPA

Der Reporter Juan Moreno hat den Relotius-Skandal beim „Spiegel“ aufgedeckt. Davon handelt sein Buch „Tausend Zeilen Lüge“. Auf der Buchmesse spricht er auch am „Spiegel“-Stand. Wie er dort befragt wird, ist ziemlich bizarr.

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          Juan Moreno ist auf der Frankfurter Buchmesse, um sein Buch „Tausend Zeilen Lüge“ vorzustellen. Es handelt von dem ehemaligen „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius, der über Jahre hinweg Reportagen erfunden hat, Geschichten, Orte, Protagonisten. Und davon, wie Moreno ihm auf die Schliche kam. Ein „spannendes Buch“ sei es geworden, sagt „Spiegel“-Chefredakteur Clemens Höges im Gespräch mit Moreno, eine „großartige Erzählung, denn Juan ist ein großartiger Erzähler.“ Das war ja, zumindest in den Augen einiger beim „Spiegel“, auch Claas Relotius. Weshalb es ein wenig seltsam ist, nun ausgerechnet dieses Vokabular zu wählen, von „großem Kino“ zu sprechen, von einer Geschichte, in der „ein Mann den anderen jagt“, anstatt zu betonen, wie wichtig es ist, dass Moreno vor allem eins getan hat: Er hat die Wahrheit ans Licht gebracht.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Doch das würde bedeuten, dass man auch sehr schnell darauf zu sprechen kommen müsste, was genau da jahrelang schief lief beim „Spiegel“ und auch bei anderen Zeitungen (drei Geschichten von Relotius erschienen in der F.A.S.) und Preiskommittees, damit Relotius das werden konnte, was er zum Zeitpunkt der Aufdeckung war – ein Reporterstar. Aber das will Höges offenbar nicht. Nachdem er kurz verkündet hat, der „Spiegel“ habe keinen Einfluss auf Morenos Buch genommen und dass diese ganze Geschichte ein „Megadesaster“ für das Haus gewesen sei, ist die Sache offenbar erledigt und es geht erstmal wenig um die Rolle des „Spiegels“.

          Es klingt, als sei Relotius ein wundersamer Sonderfall, losgelöst von jeglichen journalistischen Strukturen. Und so beschreibt Moreno, wie jeder Relotius mochte, diesen stillen, bescheidenen Mann, wie Kollegen ihn als ihren besten Freund bezeichnet, ihm vertraut und geglaubt hätten. Und dass man einen Mann, der eine Festanstellung beim „Spiegel“ zunächst ablehnte, um sich um seine (erfundene) krebskranke Schwester zu kümmern, dass man einen solch guten Menschen doch schwerlich für einen Lügner halten könne.

          Man hat schon vieles gelesen über Claas Relotius, über den seltsamen Umstand, dass jemand, dessen Texte bei genauerer Betrachtung so offensichtlich konstruiert waren, soweit kommen konnte. Viel mehr interessiert jetzt und an einer solchen Veranstaltung: Wie sah und sieht es im „Spiegel“ aus? Diesem „sehr, sehr guten Haus“, wie Höges betont.

          Inzwischen haben dort ein paar Leute ihren Job verloren oder sind doch nicht so hoch hinausgekommen, wie sie eigentlich wollten, also kein Chefredakteur geworden. Und deshalb fragt Höges Moreno dann tatsächlich: „Das warst alles Du. Wie fühlt sich das an?“ In diesem Augenblick ist dann auch Moreno, der die ganze Zeit kein wirklich böses Wort über den „Spiegel“ verliert, und das auch zwei Stunden zuvor, am Stand der „Süddeutschen“ nicht getan hat, ein wenig überrascht. Denn wie Höges da sitzt und Moreno die Schuld an der Krise seines Hauses gibt, dabei aber gleichzeitig zu versuchen scheint, diese irre Geschichte dann doch noch irgendwie als Aufdeckung des „Spiegels“ zu verkaufen, denn dort ist sie ja schließlich erschienen, ist einigermaßen erstaunlich.

          Es hätte schließlich auch alles anders kommen können. Auch andere, so erzählt Moreno, hatten damals bereits begonnen zu recherchieren. Dass er nun aber der Erste war und sein wollte, habe nichts mit Aufopferung zu tun gehabt. Denn hätte ein anderer alles aufgedeckt, so wäre auch Moreno, der an für eine Reportage mit Relotius zusammengespannt worden war, als ihm dessen Fehler auffielen, mitverantwortlich gewesen. So stand die Gefahr, der „Spiegel“ könne ihm nicht glauben, der Gefahr gegenüber, selbst als Lügner bezichtigt zu werden. Der „Spiegel“ glaubte ihm in der Tat zunächst nicht. „Du hattest das Gefühl, du läufst gegen eine Wand aus Gummi“, sagt Höges und Moreno erwidert: „Ich glaube das war kein Gefühl.“ Man habe ihm „sehr deutlich“ gemacht, dass er beim „Spiegel“ keine Zukunft habe.

          Zwei Stunden zuvor, beim Gespräch mit der „Süddeutschen“, war Moreno gefragt worden, ob ihm der „Spiegel“ nach der Enthüllung des Skandals nicht eine Festanstellung angeboten habe. Die Antwort lautet: „Nein“. Er hätte, sagte Moreno, ein solches Angebot vermutlich angenommen.

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